Der US-amerikanische Programmierer und Krypto-Legende David Chaum hat sich mit einem neuen Projekt zurückgemeldet. Der Erfinder von eCash, einer ersten Version von digitalem Bargeld, hat anlässlich der Berlin Blockchain Week eine neue Kryptowährung mit dem Namen „Praxxis“ vorgestellt.

Praxxis soll – anders als etwa die Bitcoin Blockchain – auch vor Angriffen durch Quantencomputer gefeit sein. Während die meisten Blockchains auf Elliptische-Kurven-Kryptografie setzen, die theoretisch von Quantencomputern entschlüsselt werden kann, soll der Verschüsselung bei Praxxis ein ausgefeilter, quantenresistenter Verschlüsselungs-Algorithmus zugrunde liegen.

Praxxis: Die eierlegende Wollmilchsau?

In einer Pressemitteilung verspricht Chaum nicht weniger als die Lösung des Blockchain-Dilemmas: Praxxis soll Sicherheit, Skalierbarkeit und Dezentralität auf sich vereinen. Und das, ohne bei einem der drei Problemfelder Abstriche machen zu müssen. Einen besonderen Fokus legt die Krypto-Legende dabei auf das Thema Privatsphäre. Chaum glaubt, damit ganz im Geiste Satoshi Nakomotos, dem anonymen Bitcoin-Erfinder, zu handeln:

Das Konsensprotokoll von Praxxis überwindet gleichzeitig die Herausforderungen an Skalierbarkeit, Datenschutz und Sicherheit, mit denen ältere Blockchains konfrontiert sind, um die „reine Peer-to-Peer-Version von elektronischem Bargeld“ zu liefern, die Satoshi in den ersten Worten seines White Papers gefordert hat.

Wie genau dieser Konsensmechanismus aussieht, ist der am 20. August veröffentlichten Pressemitteilung indes nicht zu entnehmen. Auf der Homepage des Projekts findet sich folgende Beschreibung zum Konsensmechanismus von Praxxis:

Ein geografisch geordnetes, weltweites Netzwerk von Nodes [Netzwerkknoten] sorgt für effiziente Transaktionen und schnelle Kommunikation. Und ein fraktionierter Endorsementansatz ermöglicht es einer Transaktion, Finalität zu erreichen, ohne dass alle Nodes im Netzwerk diese zeichnen müssen. Ein unmanipulierbarer Zufallsgenerator und eine transparente Community-Governance ermöglichen eine intelligente Blockteamplanung, die nicht auf ineffiziente Proof-of-Work-Algorithmen oder nicht-egalitäre Proof-of-Stake-Algorithmen angewiesen ist.

Technische Details sollen im White Paper zu Praxxis folgen, das noch in diesem Jahr erscheinen soll. An der Entwicklung von Praxxis ist auch das IT-Start-up WBM Corp. beteiligt. Dessen COO, Wiliam Carter, hält das Design von Praxis für einen Durchbruch:

Die technischen Anforderungen an die Geschwindigkeit und die Anforderungen an die Privatsphäre und Sicherheit stehen in der Regel im Widerspruch. Das Praxxis-Design bricht diesen Kompromiss, was eine unglaubliche Leistung mit wirklich wichtigen, praktischen Auswirkungen auf die Leistung ist,

so Carter.

Elixxir für private Transaktionen

Die Privatsphäre der Praxxis-Nutzer soll unter anderem dadurch gewahrt werden, dass der zu überweisende Betrag automatisch in kleine, nicht unterscheidbare Einheiten zerstückelt wird. Ferner sollen keine auswertbaren Metadaten zu Transaktionen entstehen

Mit der Scheck-ähnlichen Struktur anderer Blockchains ist es von Natur aus schwierig, bestimmte Transaktionsinformationen privat zu halten. Zum Beispiel kann eine Kreditkartentransaktion von 9,32 US-Dollar jeden zweiten Morgen in Kombination mit Metadaten einem Beobachter sagen, wo sich Ihr Lieblings-Frühstücksort befindet und was Sie im Allgemeinen bestellen,

heißt es dazu auf der Homepage von Praxxis.

Praxxis soll kompatibel mit Elixxir sein, einem von Chaum entwickelten Bezahl- und Messaging-Netzwerk, das sich derzeit noch im Alpha-Stadium befindet. Elixxir soll in der Lage sein, Metadaten zu Transaktionen zu „schreddern“.

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