BTC-ECHO: Warum wurde die ITSA ins Leben gerufen? Was hat es damit auf sich?

Prof. Dr. Philipp Sandner: Bereits heute existieren bereits über 2.000 Krypto-Assets – Tendenz steigend. Vor diesem Hintergrund nimmt die Unordnung im Krypto-Ökosystem zu. Denn mittlerweile gibt es neben Kryptowährungen auch sogenannte Payment Token, Security Token, Utility Token und dergleichen mehr.

Und dafür braucht man Strukturen, Kategorisierungen und Identifizierungsnummern, um etwas Ordnung ins Krypto-Ökosystem zu bringen. Genau das ist das Ansinnen der ITSA.

BTC-ECHO: Wie läuft eine Token-Standardisierung ab, was sind die einzelnen Schritte?

Sandner: Primär machen wir drei Dinge. Erstens: Wir machen die International Token Classification (ITC). Dabei klassifizieren wir Token nach einem von uns entworfenen Regime.

Zweitens: Wir weisen so den Token eindeutige Identifizierungsnummern zu; das ist wichtig, da bereits heute Redundanzen in der Klassifizierung bestehen. Aus steuerlicher Sicht ist eine eindeutige Identifizierbarkeit enorm wichtig.

Drittens: Wir legen die sogenannte Token Base an. Dabei handelt es sich um eine Datenbank, auf der Kurse, Volumina, Marktkapitalisierung und ähnliches enthalten sind.

BTC-ECHO: Welche Voraussetzungen muss ein Blockchain Asset erfüllen, um von der ITSA standardisiert zu werden?

Sandner: Die ITSA ist keine Instanz, die eine Qualitätssicherung durchführen kann oder will. Das Ziel ist, alle Krypto-Assets zu kategorisieren. Bisher sind wir so vorgegangen, dass wir die Top 100 (Marktkapitalisierung) von CoinMarketCap von oben bis unten durchgegangen sind und alle Token analysiert und kategorisiert haben. Ende dieses Jahres wollen wir die Top 1.000 kategorisiert und identifiziert haben. Damit decken wir 99,9 Prozent des Marktes in Sachen Marktkapitalisierung ab.

BTC-ECHO: Welche Voraussetzungen muss ein Unternehmen erfüllen, wenn es Mitglied der ITSA werden will?

Sandner: Ehrlich gesagt keine. Universitäten oder Forschungsinstitute können Mitglied werden, genau wie Unternehmen. Auch Verbände können Mitglied werden, der Bankenverband etwa ist es bereits.

Unter den 150 Gründungsmitgliedern ist zum Beispiel auch der main incubator von der Commerzbank sowie der Deutsche Fondsverband, außerdem eine Vielzahl von Unternehmen aus dem In- und Ausland. Das zeigt, dass das Projekt gut funktioniert.

BTC-ECHO: Kürzlich ist die ITSA auch dem Deutschen Institut für Normung, bekannter auch unter dem Kürzel DIN, beigetreten. Was erhoffst du dir von der Partnerschaft und wie siehst du die Chancen, dass der ITSA-Standards auch international Anerkennung findet?

Sandner: Zurzeit sind wir ein Verein, ähnlich eines Start-ups. Daher kann ich keine Versprechungen abgeben. Allerdings deutet einiges darauf hin, dass wir das Richtige tun, denn das, was wir machen, findet sehr viel Anklang. Die Finanzmarktaufsichten verschiedener Länder sind etwa auf uns aufmerksam geworden und möchten mit uns sprechen. Auf institutioneller Ebene sprechen wir überdies mit der ANNA (Association of National Numbering Agencies), das ist die zentrale Vergabestelle von ISIN (Internationale Wertpapierkennnummer).

Schließlich muss diese sich auch überlegen, ob sie Security Token eine ISIN geben, sie also als Aktie bezeichnen. Alle diese Gespräche waren sehr erfolgreich und es zeichnet sich ab, dass auch die ITSA international Anerkennung findet.

BTC-ECHO: Losgelöst von der ITSA. Welche blockchain-spezifischen Themen beschäftigen dich aktuell am meisten?

Sandner: Die ITSA selbst nimmt natürlich einen gewissen Raum ein. Weiterhin haben wir Forschungsprojekte laufen etwa mit der TU-Darmstadt oder mit Bosch; dabei steht in erster Linie das Thema IoT (Internet of Things) im Fokus. Ein anderes Thema ist Facebooks Kryptowährung Libra. Ein Komplement dazu wäre zum Beispiel der digitale Euro, also der Euro auf Blockchain-Basis.

Der wird erforderlich sein, weil nur dann Unternehmen im B2B-Kontext Smart Contracts einsetzen können; denn da wird man weiterhin den Euro als gesetzliches Zahlungsmittel brauchen.

BTC-ECHO: Wo siehst du in der Regulierung den aktuell dringendsten Handlungsbedarf?

Sandner: Start-ups haben bereits vor zwei Jahren damit begonnen, nach Regulierung zu rufen. Man kann hier schon sagen, dass sowohl die BaFin als auch das Finanzministerium und die Europäische Union den Aufruf ernst genommen und entsprechende Maßnahmen eingeleitet haben.

Zu nennen ist hier etwa die Änderungsrichtlinie zur Geldwäscheverordnung. Inzwischen steckt hier erstmals das Wort „Krypto-Asset“ drin. Natürlich gibt es aber auch noch Justierungsbedarf. So enthält besagte Änderungsrichtlinie einen Passus, der das Hantieren mit Krypto-Assets unter Lizenz stellt. Das ist für Firmen, die mit Krypto-Assets handeln oder diese verwahren, brandgefährlich. Schließlich brauchen diese ab dem 1. Januar 2020 eine Lizenz. Ich persönlich bin der Meinung, dass der Gesetzgeber in diesem Zusammenhang etwas über das Ziel hinausgeschossen hat.

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