Es ist kein Geheimnis: Wer Bitcoin schürfen will, braucht Strom – viel davon. Miner suchen deshalb immer neue Wege, um an möglichst bezahlbare Energie zu gelangen oder sogar gar nicht zu zahlen.

So geschehen zuletzt in der Ukraine: Mitarbeiter und Sicherheitskräfte eines Atomkraftwerks hatten hier zum Coup angesetzt. Unerlaubterweise sollen sie den frischen Reaktorstrom von ihren Büros aus genutzt haben, um Kryptowährungen wie Bitcoin zu minen. Dann machte ihnen der Inlandsgeheimdienst SBU einen Strich durch die Rechnung.

Bereits im Juli sollen die Ermittler sowohl in einem Büro der staatlichen Energieagentur Energoatom als auch in den Militäranlagen der örtlich eingesetzten Nationalgarde Mining-Equipment für Bitcoin & Co. sichergestellt haben. Nun befasst sich ein ortsansässiges Gericht im südukrainischen Mykolajiw mit der Angelegenheit. Dies berichten verschiedene ukrainische Nachrichtenplattformen an diesem Dienstag, dem 21. August.

Der Vorwurf der Ermittler: Durch die Internetverbindung der Mining-Hardware sollen dem Gericht zufolge vertrauliche Informationen an die Außenwelt gelangt sein. Damit sei der Objektschutz der staatlichen Einrichtung gefährdet. Für die Offenlegung von Staatsgeheimnissen könnten den Angestellten nun empfindliche Strafen drohen.

Atomkraftwerk gilt als Staatsgeheimnis

Zwar ist Bitcoin Mining in der Ukraine völlig legal. Eine Ausnahme machen jedoch staatliche Einrichtungen wie das Atomkraftwerk in der nahe des Schwarzen Meeres gelegenen Stadt. Als kritische Infrastruktur gilt die Nukleareinrichtung offiziell als Staatsgeheimnis und untersteht damit besonderen Sicherheitsvorschriften. Nicht-registriertes Computer-Equipment ist streng verboten.

In den vergangenen Jahren hatten Aktivisten und Expertengruppen zuvor mehrfach auf Schwachstellen und Datenlecks bei den Atomkraftwerken der staatlichen Energiebehörde hingewiesen.

„Staatliches“ Bitcoin Mining kein Einzelfall

Dass Angestellte auf das schier unendliche Angebot von Atomkraftwerken zurückgreifen, um Bitcoin & Co. zu minen, ist jedoch kein Novum. Im Februar vergangenen Jahres etwa waren Ingenieure eines russischen Kraftwerks verhaftet worden, die ihrerseits versucht hatten, in der Einrichtung Bitcoin zu schürfen.

Anders als in dem unweit der Krim gelegenen Mykolajiw hatten sie dafür allerdings kein eigenes Equipment genutzt. Stattdessen hatten sie versucht, mithilfe eines Supercomputers des Kraftwerks zu minen. Damit wäre eine riesige Rechenleistung möglich, folglich jedoch eine Verbindung mit dem Internet nötig gewesen. Bei dem Versuch wurden sie gestoppt.

Derweil erfreuen sich Bitcoin & Co. in der Ukraine wie in anderen Krisenländern weltweit großer Beliebtheit. Die Behörden des Landes setzten sich deshalb für eine vollständige Regulierung von Kryptowährungen ein. Gleichzeitig nimmt die ukrainische Notenbank die Potentiale digitaler Bezahlalternativen in den Blick. Im Februar gelang ihr ein erster Testlauf eines staatlich kontrollierten Zentralbank-Coins. Derzeit wertet die Zentralbank die Ergebnisse aus.

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