Wer in Venezuela an der Tankstelle bezahlen will, tut das dieser Tage gern mit einer Packung Kekse. Kaum jemand traut dem Bolivar über den Weg. Die heimische Währung befindet sich im freien Fall und ist dank der Hyperinflation praktisch wertlos. Kryptowährungen wie Bitcoin haben im Krisenland Venezuela indes Hochkonjunktur.

Im Kampf gegen die Inflation will sich diesen Trend nun auch die ortsansässige Kaufhauskette Traki zu Nutze machen. Künftig sollen Kunden hier mit Kryptowährungen wie Bitcoin bezahlen können. Ermöglichen soll dies das Singapurer Start-up Pundi X. Eine gemeinsame Kooperation verkündete das Tech-Unternehmen in einem offiziellen Blogpost.

Mithilfe dessen Bezahlsystem XPOS will die Kaufhauskette Traki nun also dem Wertverfall des Geldes trotzen. XPOS soll es Kunden künftig erlauben, neben den Krypto-Größen Bitcoin und Ether mit einem breiten Spektrum digitaler Währungen für ihren Einkauf aufzukommen.

Mit einem Netz von 49 Filialen zählt Traki zu den größten Kaufhausketten des südamerikanischen Landes. Neben Lebensmitteln bietet die Kette ihren Kunden auch Haushaltswaren und Kleidung.

Damit Kunden all dies künftig bequem digital begleichen können, will man sich nun entschieden für das Bezahl-Update einsetzen, bekundet Michael Gomez, Leiter der zuständigen Krypto-Abteilung des Unternehmens:

Wir bei Traki haben uns das Ziel gesetzt, unseren Kunden die komfortabelsten Bezahlmöglichkeiten zu bieten. Kryptowährungen haben sich dabei als effiziente Lösung erwiesen. Unsere Kooperation mit Pundi X bekräftigt unser Bestreben, [Bitcoin & Co.] in unseren Filialen so einfach wie Fiatwährung zu verwenden.

Für das Singapurer Start-up wiederum soll die Partnerschaft nur ein erster Schritt sein, um in Venezuela Fuß zu fassen. Wie es in dem Blogpost weiter heißt, will man Venezuela künftig fest in seinem weltweiten Bezahlnetz etablieren und neben Kaufhäusern auch Apotheken, den Tourismus sowie den Gesundheitssektor mit Krypto-Technologie ausstatten. Weltweit verwaltet Pundi X derzeit insgesamt 300.000 Kunden-Accounts in 25 Ländern.

Der Bolivar im freien Fall: Venezuela setzt auf Bitcoin & Co.

Die Situation Venezuelas scheint dieser Tage ausweglos. Das Ringen um die Macht in der Hauptstadt Caracas bleibt ungelöst. Unter dem Druck immer neuer US-Sanktionen hat die Wirtschaftsleistung des Landes mittlerweile die Talsohle erreicht. Anfang August erst hatten die USA das Vermögen der venezolanischen Regierung eingefroren und ein Handelsverbot ausgesprochen. Seitdem ist es US-Amerikanern verboten, Geschäfte mit dem Land zu machen. Zwar verkündete US-Präsident Trump in dieser Woche zuletzt, es gäbe wieder Gespräche mit Caracas, die die Not im Land lindern sollten. Mit einer baldigen Verbesserung der Lage rechnen jedoch die wenigsten.

Abseits des diplomatischen Parketts halten Kryptowährungen für viele Bewohner des Landes einen Hoffnungsschimmer bereit. Längst gilt Bitcoin als wichtigste – zumindest relativ – wertstabile Parallelwährung. Der Handel mit dem Krypto-Zugpferd befindet sich derzeit auf einem Allzeithoch. Darüber hinaus sollen sich auch andere Kryptowährungen wie beispielsweise Dash großer Beliebtheit unter den Venezolaner erfreuen. Im Alltag jedoch seien den digitalen Alternativen noch große Hürde gesetzt. So bekunden Beobachter, dass es im Land derzeit noch an Akzeptanzstellen mangeln würde. In diese Bresche scheint Traki springen zu wollen.