Während der Bitcoin-Kurs weiter seitwärts strebt, schlägt ein Konzern nach wie vor hohe Wellen: Facebook beschäftigt mit seinem Plan, eine eigene Kryptowährung namens Libra herauszugeben, nach wie vor sowohl die Community als auch Regulatoren und Regierungsvertreter.

Erst letzte Woche war daher eine US-Delegation in die Schweiz gereist, um Informationen und Einblicke in Facebooks Bitcoin-Konkurrent Libra zu erhalten. Facebook suchte sich nämlich die Schweiz als Standort seines Krypto-Projektes aus. Nun zieht die Delegationsleiterin Maxine Waters eine vorläufige Bilanz der ersten Etappe ihrer Reise. Das United States House Committee on Financial Services veröffentlichte am 25. August diesbezüglich eine Pressemitteilung. Dabei wird indirekt der große Unterschied zwischen Bitcoin und Libra thematisiert: Während BTC eine dezentrale Währung ohne Institution ist, steht hinter Libra ein privates Unternehmen.

So stellt Waters eindeutig klar:

Zwar schätze ich die Bemühungen der schweizerischen Regierungsvertreter, die ihre Zeit investierten, um uns zu treffen. Meine Sorgen betreffen jedoch weiterhin die Tatsache, dass eine große Tech-Company eine privat kontrollierte, alternative globale Währung erschaffen darf. Ich freue mich weiterhin darauf, unsere Kongressdelegation anzuführen. Dabei möchte ich unter anderem Fragen dieser Art tiefgehender ergründen. Ebenso werden wir auf Geldwäsche und andere Themen in Zusammenhang mit der Gesetzgebung des Komitees eingehen.

Waters Delegation reist durch Europa und den mittleren Osten

Waters leitet eine sechsköpfige Experten-Gruppe an, die während der Kongresspause in den Vereinigten Staaten durch Europa und den mittleren Osten reisen wird. Die Delegation traf neben Schweizer Politikern auch den eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten Adrian Lobsiger. Weitere Vertreter wichtiger Finanz- und Informationsbehörden nahmen ebenfalls an Diskussionen teil. Insgesamt scheinen die Schweizer Regulierungsbeamten allerdings keine sonderlich beruhigende Wirkung auf die US-Delegation gehabt zu haben. Schließlich hält sich die Schweiz hinsichtlich der Sorge um Facebooks Libra-Pläne bis jetzt mit Kritik eher zurück – ganz anders als die USA. Dort wird der Bitcoin-Abkömmling stark diskutiert.

Erst letzten Monat gab es bereits eine Anhörung des House Financial Services Committee zum Thema Libra. Der Bankenausschuss, dessen Vorsitzende Maxine Waters ist, zeigt sich gegenüber Facebooks Plänen für eine eigene Kryptowährung seit jeher eher skeptisch. Bitcoin hingegen sah man größtenteils etwas gelassener; auch hier spielte der Unterschied zwischen Konzern-Währung und dezentraler Kryptowährung eine Rolle.

Die Abgeordnete Waters sendete im Juli bereits einen Brief an den CEO und Gründer von Facebook Mark Zuckerberg. Darin forderte sie ein sofortiges Moratorium der Libra-Pläne Zuckerbergs. Die Implementierung sollte so lange pausieren, bis der Kongress einen angemessenen Rechtsrahmen erarbeitet hat.

Im Gegensatz zu Bitcoin hat Libra einen Verantwortlichen

Jedoch ist es nicht nur Maxine Waters als Vertreterin einer Finanzaufsichtsbehörde, die Zuckerberg momentan in Bedrängnis bringt. Datenschützer und Verbrauchervertreter auf der ganzen Welt, aber vor allem aus Europa und Nordamerika, setzen Facebook ebenfalls unter Druck. Ein gemeinsamer Fragenkatalog internationaler Datenschützer befasst sich nämlich mit den Gefahren der Kryptowährung für die Bürger. Sorgen bereitet den Verfassern des Katalogs insbesondere die Tatsache, dass Libra in kürzester Zeit zu einer voll funktionsfähigen globalen Finanzinfrastruktur anwachsen kann. Die Rolle des Datenschutzes bleibt dabei jedoch ungeklärt.

Libra vs. Bitcoin

Bei Bitcoin hingegen erkannten verschiedene Vertreter des US-Kongresses bereits, dass sich die größte Kryptowährung nach Marktkapitalisierung nicht verbieten lässt. Hier fehlt es im Gegensatz zu Facebooks Libra vor allem an der Möglichkeit, ein Unternehmen in die Verantwortung zu ziehen. Bitcoin hat als Anlaufstelle letztlich lediglich nur dezentral verteilte Server, während sich Facebook um einen festen Standort bemühen muss.