Die Regulierung von Kryptowährungen ist spätestens seit dem Hype Ende 2017 ein anhaltendes Thema der Szene. Wie viel Regulierung und damit Sicherheit braucht Bitcoin & Co.? Wie sehr wird dabei die Freiheit und die Eigenverantwortlichkeit im neuen Bezahlsystem untergraben? Befürworter von Kryptowährungen sehen im Finanzsystem eine der Wurzeln für den verantwortungslosen Umgang mit Ressourcen, der dem Wunsch nach Gewinnmaximierung folgt. Die Regulierung von Kryptowährungen ist damit nicht zuletzt ein hoch politisches Thema.

Menschenhandel – das Problem liegt nicht bei Bitcoin & Co.

Das als US-Strategieberater bekannte Unternehmen Financial Integrity Network bemühte in einem Vortrag ein sensibles Thema: den Menschenhandel. In dem sechzehn Seiten starken Text, gespickt mit 91 Fußnoten, taucht einige Male der Begriff Kryptowährung auf. David Murray bezieht sich auf Zahlen der United Nations, wenn er von 150,2 Milliarden US-Dollar spricht, die jährlich im Menschenhandel umgesetzt würden. Das Hauptproblem liege jedoch nicht bei Kryptowährungen:

Kleine Beträge werden über Zahlungsdienstleister, Onlinebezahlungsdienste und Kryptowährungen bezahlt, große Beträge hingegen über nicht näher bestimmte Unternehmen.

Alles in einen Topf

Mit diesen nicht näher bestimmten oder „anonymen Unternehmen“ meint er in erster Linie Strohfirmen. Doch kommt es im Laufe seines Vortrags zu einer gewissen Unschärfe beim Gebrauch dieser anonymen Unternehmen, zu denen er ebenso die sogenannten VASPs zählt: Virtual Asset Service Provider. Das heißt im Klartext: Dienstleistungsanbieter im Sektor der digitalen Vermögenswerte. Hierzu Murray weiter:

Manche VASPs sind derzeit als Geldübermittler im Sinne des BSA [Bank Secrecy Act] eingestuft. Andere hingegen sind überhaupt nicht eingestuft. Und selbst die virtuellen Vermögenswerte dieser als Geldübermittler eingeordneten VASPs sind nur unzureichend reguliert, um nicht missbraucht werden zu können.

Er fordert daher strengere Regulierung. Damit

würden die neuartigen und recht schaffenden Finanzdienstleister aufgewertet werden, [denn] das gegenwärtige System mache es den [US-Behörden] schwierig, die schwarzen Schafe ausfindig zu machen.

Worum es gehen könnte

Unter anderem zitiert Murray einen Bericht der Financial Action Task Force (FATF), aus dem allerdings nicht hervorgeht, welche Rolle Kryptowährungen im Menschenhandel spielen. Damit fehlt die eigentliche Grundlage, um Kryptowährungen mit dem Menschenhandel in Verbindung zu bringen. In einem Satz wird das übergeordnete Ziel dieser dreipunktigen Agenda sichtbar:

Wir können unser Finanzsystem besser schützen, wenn wir anonyme Unternehmen verbieten, die Regulierung von Kryptowährungen verbessern und für mehr Transparenz bei Zahlungsdienstleistern sorgen.

Um das politisch zu realisieren, bedient man sich hier einem anrüchigen Thema, dem Menschenhandel, um damit die „Bedrohungen“, sprich Bitcoin & Co. zu inszenieren. Auch darf man nicht übersehen, wie Strohfirmen mit Kryptowährungen auf eine Ebene gestellt werden. Erst zuletzt hatte sich Murray in ähnlichem Narrativ zu Wort gemeldet.

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