Die Marktkapitalisierung ist für den durchschnittlichen Krypto-Jünger wohl eine der am meisten betrachteten Zahlen. Wie häufig besucht man Seiten wie Coinmarketcap? Auch auf BTC-ECHO wurde – gerade im Bull Run Ende Dezember 2017– häufiger die Marktkapitalisierung betrachtet. Auch jetzt wird in jeder Marktanalyse ein Blick auf dieselbe geworfen.

Manchmal wird die Marktkapitalisierung jedoch zu wörtlich genommen.

Als eine grobe Orientierung ist sie nicht falsch, aber bisweilen wirkt sie ungenau. Das liegt in der Definition der Marktkapitalisierung begründet: Sie ist das Produkt aus dem aktuellen Marktpreis und dem Supply eines Coins.

Coins mit geringer Marktkapitalisierung: Wal sein für wenig Geld?

Einmal ein Wal – wer sinnierte nicht darüber? Man könnte wie die da oben Kurse manipulieren, wäre cryptorich und nach einem gut platzierten Verkauf reich. Einziges Problem ist, dass es teuer ist, signifikante Anteile an einer Kryptowährung wie Bitcoin zu kaufen. Doch wie steht es mit eher unbekannten Token?

Als Beispiel dient der fiktive BTC-ECHO-Coin, kurz BEC. Sein Supply beträgt 1.000 BEC und der aktuelle Marktpreis schlanke 0,01 Euro. Damit beträgt die Marktkapitalisierung lediglich 10 Euro – ein Betrag, den jeder aufbringen kann.

Der Wal in spe denkt sich, dass er 50 Prozent der Währung halten möchte. Eine einfache Rechnung: Gemäß Marktkapitalisierung würde auf eine notwendige Summe von 5 Euro kommen.

Ein Blick auf das Order Book zeigt, dass die Rechnung nicht so einfach ist. Da der Wal sich für einen BEC-Kauf interessiert, betrachten wir etwas mehr die Verkaufsorder. Sagen wir, dass im Order Book aktuell 300 BEC für 0,02 Euro gelistet sind. Weitere BEC sind teurer zu erwerben.

50 Prozent des gesamten Supplys des BTC-ECHO-Coins entsprechen 500 BEC. Das bedeutet, dass er alle Verkaufsorder zu einem Preis 0,02 Euro und 200 BEC für 0,05 Euro kaufen muss. Insgesamt muss er für den Erwerb von 50 Prozent des BEC-Marktkapitals schon 16 Euro aufbringen – mehr als dreimal so viel, wie er dachte.

Marktkapitalisierung entspricht nicht investiertem Geld

Interessant ist auch, dass sich die Marktkapitalisierung durch ein Invest von 16 Euro verfünffacht hat. Der zukünftige Wal kaufte die Sell Order für 0,02 Euro auf und musste noch einige Coins für 0,05 Euro erwerben, um die Hälfte des bestehenden Coin-Supplies zu besitzen. Aktueller Coin-Preis beträgt also 0,05 Euro. Bei einem Supply von 1.000 BEC erhält man somit ein Marktkapital von 50 Euro – mit einem Investment von 16 Euro.

Dasselbe gilt auch umgekehrt: Der Wal könnte seine Coins für 0,04 Euro verkaufen. 500 BEC à 0,04 Euro ergibt einen Umsatz von 20 Euro und damit einen Gewinn von 4 Euro oder 25 Prozent. Es wäre also ein lukrativer Verkauf. Die Marktkapitalisierung wäre in der Zeit auf 40 Euro gefallen – deutlich weniger als das, was er verkaufte.

Man sieht also, dass das Marktkapital nicht den realen Geldfluss in eine Kryptowährung darstellt.

Worauf statt dem Marktkapital achten?

Es stellt sich die Frage, welche Größe gegebenenfalls sinnvoller zum Vergleich der Kryptowährungen wäre. Zwar existieren interessante Betrachtungsweisen wie das Metcalfésche Gesetz oder die Bitcoin Price Equivalence. Das Problem ist jedoch, dass diese Größen eher selten von Index-Seiten verwendet werden. Statt einer Analyse dieser komplexen Messgrößen ist auf jeden Fall ein zusätzlicher Blick auf das Handelsvolumen hilfreich. Ein Blick auf die ersten Plätze bezüglich des Handelsvolumen bringt auch Interessantes zutage:

Tether besitzt ein Handelsvolumen, welches etwas mehr als halb so hoch wie das von Bitcoin ist. Generell entspricht die Struktur der Top 10 nicht der der Marktkapitalisierung. Wenn man das Handelsvolumen gemeinsam mit der Kursänderung betrachtet, lässt sich abschätzen, ob Geld in die Kryptowährung geflossen ist oder aus ihr gezogen wurde.

Nach der Kritik ein kleiner Lanzenbruch für die Marktkapitalisierung: Wie oben betont ist sie eine akzeptable erste Orientierungsgröße. Was in diesem Artikel illustriert werden sollte, ist lediglich, dass man diese nicht überinterpretieren darf, sondern zusätzlich andere Größen wie das Handelsvolumen oder die Kursänderung betrachten muss.

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