BTC-ECHO: Wie würdest du die Investmentstrategie eures Krypto-Hedgefonds zusammenfassen?

Philipp Kallerhoff: Wir verwenden systematische Verfahren, um Kryptowährungen zu managen. Diese Verfahren kommen aus der Welt der traditionellen Hedgefonds und wir haben das Rad nicht neu erfunden. Systematisch heißt, dass wir Regeln für das Handeln aufstellen und diese dann umsetzen. Diese Regeln werden sukzessive getestet und verbessert. Außerdem definieren unsere Kunden natürlich, welche Risiken sie eingehen wollen und welche Strategien sie interessieren. Wir setzen das in Form von Managed Accounts um. D. h. wir bekommen Zugriff auf den Account unserer Kunden, um deren Assets zu handeln, können aber kein Geld abziehen.

BTC-ECHO: Ihr bietet verschiedene Indizes an. Zum Beispiel einen Small Cap Index oder Low Volume Index. Was hat es mit den beiden Indizes auf sich?

Philipp Kallerhoff: Über die letzten 50 Jahre haben wir viel über Hedgefonds und Handelsstrategien gelernt. Zunächst einmal ist Handeln schlecht, weil man nur Gebühren bezahlt, außer jedoch, die Handelsstrategien produzieren ein sogenanntes Alpha. Alpha bedeutet, dass die Handelsstrategie nach Kosten besser ist als der Markt, also eben doch etwas bringt.
In diesem Bereich sind die Arbeiten von Fama und French sehr wichtig, die dafür einen Nobelpreis erhalten haben. Diese haben gezeigt, dass es Mechanismen in jedem Markt gibt, die zunächst einmal unabhängig vom Markt sind, aber auch besser sein können. Ein wichtiger Faktor ist dabei die Größe des Unternehmens. Kleine Unternehmen haben in gewissen Märkten eine bessere Performance als große. Um das verfolgen zu können, haben wir einen Small Cap Index auf Kryptowährungen gebaut. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Volatilität, also die Schwankung der einzelnen Kryptowährungen. Es wurde oft gezeigt, dass Vermögenswerte mit kleiner Schwankung tatsächlich eine bessere Performance haben. Daher zeigen wir auch einen Low Vol Index.

BTC-ECHO: Ist eine solche Segmentierung bzw. Ausdifferenzierung denn überhaupt möglich im Krypto-Markt? Vereinfacht gesagt: Gehen nicht sowieso alle Kryptowährungen geschlossen runter oder geschlossen hoch?

Philipp Kallerhoff: Die Unterschiede bei den Kryptowährungen sind teilweise sehr groß, sodass sie sich eben doch teilweise sehr unterschiedlich bewegen. Ich finde die Unterscheidung zum Beispiel in Currency Tokens wie Bitcoin, Platform Tokens wie Ethereum, Brand Tokens wie Binance und Utility Tokens wie Maker gut. Wenn man sich diese Aufteilung anschaut, bewegen sich die einzelnen Klassen schon sehr unterschiedlich. Oft wird der Markt natürlich als Ganzes getrieben und die Unterschiede überspielt. Langfristig, denke ich aber, werden sich die Unterschiede durchsetzen und wir werden immer bessere Modelle finden, die die einzelnen Klassen beschreiben.

BTC-ECHO: Wie nutzt bzw. arbeitet ihr mit Daten, um Investmentstrategien für Kryptowährungen abzuleiten?

Philipp Kallerhoff: Wir sammeln zunächst einmal sämtliche Daten über jede einzelne Kryptowährung. Das Schöne an Kryptowährungen ist, dass man teilweise bessere Informationen bekommen kann als für normale Aktien. Der Unterschied ist, dass man den Erfolg und die Benutzung der Kryptowährungen live verfolgen kann – nämlich Block für Block. Bei Internet-Aktien bekommt man immer die genauen User-Zahlen oder wie viel Geld sie mit Werbung verdient haben. Bei Kryptowährungen sehe ich jederzeit, wie viele Leute das System benutzen, wie viel Geld sie verschieben und wie sie die Kryptowährungen benutzen. Diese Daten bringen wir in unsere Systeme und analysieren diese mit allem, was es an Machine Learning und statistischen Verfahren gibt.

BTC-ECHO: Worin unterscheidet sich das Trading mit Kryptowährungen am meisten gegenüber dem Trading mit traditionellen Assets?

Philipp Kallerhoff: Ich habe die letzten 15 Jahre eigentlich alle Asset-Klassen gehandelt und Handelssysteme für Aktien, Anleihen, Währungen oder Rohstoffe gebaut. Der Unterschied ist tatsächlich nicht besonders groß, außer dass Kryptowährungen sehr volatil sind und die Handelssysteme noch nicht so gut ausgebaut. Die annualisierte Volatilität (Schwankung) liegt oft über 100 Prozent pro Jahr, wobei diese für Aktien bei ca. 16 Prozent oder Anleihen bei 4 Prozent liegt. Man merkt also, dass es hier um sehr riskante Anlagen geht. Die Handelssysteme machen außerdem oft Fehler, sodass man viel mehr kontrollieren muss. Wir lassen konstant sogenannte Reconciliation-Prozesse laufen, um diese Fehler zu tracken. Das ist sehr aufwendig und langsam, aber das hat sich alleine im letzten Jahr schon sehr stark verbessert und ich denke in ein bis zwei Jahren werden wir vergleichbare Verhältnisse haben.

BTC-ECHO: Mit welchen Instrumenten bzw. Finanz-Konstruktionen setzt ihr am Krypto-Markt auf fallende Kurse?

Philipp Kallerhoff: Es gibt natürlich Futures, aber nur auf Bitcoin. Viel besser sind CFD-Märkte, mit denen wir auf die Top-10-Kryptowährungen long und short gehen können. Für eine Short Position muss eine Margin von ca. 10 Prozent hinterlegt werden, sodass wir theoretisch auch einen Leverage von 10x nehmen können. Aber da die Volatilität so hoch ist (siehe oben), ist das keine gute Idee. Sobald das Margin zum Beispiel unter 5 Prozent fällt, kann man glatt gestellt werden. Falls sich der Kurs dann genau wieder in die andere Richtung bewegt, partizipiert man nicht mehr, sondern hat nur den Verlust.
Trotzdem sind die CFD-Märkte interessant, da ich Positionen hedgen kann und zusätzlich einen Zins bekomme. Wenn ich z. B. 100 Bitcoin bei einer Bank lagere, habe ich natürlich das Marktrisiko von 100 Bitcoins. Wenn ich zusätzlich aber 100 Bitcoins per CFDs verkaufe, habe ich kein Marktrisiko mehr und verdiene zusätzlich noch einen Zins von ca. 5 Prozent pro Jahr. Dieser Zins wird als Funding Rate bezeichnet. Wenn man long ist, muss man diesen bezahlen, bei Short bekommt man diesen, weil man im Sinne von Future-Märkten Bitcoins „verleiht“. Dafür bekommt man einen Zins.

BTC-ECHO: Was sind aktuell deiner Meinung nach die drei wichtigsten Kurstreiber?

Philipp Kallerhoff: Der Markt ist aus meiner Sicht stark sentimentgetrieben. Das Zweite sind die Preise selbst. Als die Kurse in diesem Jahr wieder gestiegen sind, sind viele wieder auf den Zug aufgesprungen und die haben die Kurse auch weiter nach oben getrieben. Das Dritte sind durchaus fundamentale Daten, wie zum Beispiel das Bitcoin Mining. Das Mining ist bei diesen Preisen wieder sehr profitabel und damit werden viele Maschinen angeschaltet. Diese müssen aber den Strom und die Hardware mit den Bitcoins zahlen, die dann auf den Markt geschüttet werden und den Preis effizienter machen. Im Großen und Ganzen ist der aktuelle Einfluss von fundamentalen Daten auf Preise im Krypto-Markt bzw. die der jeweiligen Assets jedoch bei Weitem noch nicht so ausgeprägt wie in traditionellen Märkten.

BTC-ECHO: Welche Rolle nehmen in eurer Investmentstrategie Stable Coins ein?

Philipp Kallerhoff: Wir benutzen Stable Coins, aber eben hauptsächlich auch normale Währungen. Wir benutzen Stable Coins kurzfristig, um die Kryptowährungen auf den Börsen zu handeln und zwischen den Börsen Geld zu verschieben. Außerdem benutzen wir die Stable Coins für sogenannte „Yield Strategies“. Stable Coins haben meistens sehr ausgefeilte Mechanismen, um stabil zu bleiben. Diese Mechanismen beinhalten meistens, dass man dafür bezahlt wird, wenn man zur Stabilität beiträgt. Teilweise kann man nur damit 20 Prozent pro Jahr verdienen.

BTC-ECHO: Werden sich in den nächsten Jahren Dezentrale Autonome Organisationen, kurz DAOs, als neue Investment-Konstrukte durchsetzen?

Philipp Kallerhoff: Ich finde DAOs sehr interessant, wenn man diese als eine Art Investment Club umsetzen könnte. Das heißt, dass jeder, der möchte, in diesen Klub investieren kann, aber dann eben auch mit entscheidet, wie das Geld angelegt wird. Insbesondere geht es um Lernen und den Austausch von Investment-Ideen. Ich denke, es ist möglich, dass wir weitere DAOs sehen werden, aber die Regularien sind sehr teuer. Wir wollten bei Protos einen DAO umsetzen, mussten dann aber einsehen, dass das im Moment einfach sehr schwierig ist und haben uns dann für einen „normalen“ Fundtoken entschieden. Der Fund wird eben von uns gemanagt, auch wenn wir uns stark mit unserer Community auf Telegram austauschen und diese informieren.

BTC-ECHO: Welche Trends im Trading von Kryptowährungen kannst du ausmachen? Was wird sich in den nächsten 3 bis 5 Jahren am meisten verändern?

Philipp Kallerhoff: Ich glaube, fundamentale Daten werden stärker gewichtet werden in den nächsten Jahren und wir werden immer besser verstehen, wie man Kryptowährungen bewertet. Außerdem wird die Trading-Infrastruktur besser und es billiger werden, diese zu handeln. Das ist gut für Firmen wie uns, weil wir immer erstmal diese Kosten reinholen müssen, um dann besser zu sein.

BTC-ECHO: Mal angenommen du müsstest jetzt einen Betrag von 10.000 Euro in Kryptowährungen anlegen. In welche Krypto-Assets würdest du investieren?

Philipp Kallerhoff: Wie gesagt, ich bin kein Stock- oder Krypto-Picker, sondern würde immer systematisch anlegen. Die erste und einfachste Strategie ist aus meiner Sicht, immer erstmal den Markt nach Kapitalgewichtung zu kaufen. Bei Kryptowährungen ist das eigentlich sehr einfach, weil Bitcoin und die anderen Top-10-Kryptowährungen schon mal fast 90 Prozent vom Markt ausmachen. Natürlich finde ich unsere Trend-Strategie am besten, aber dafür muss man eben regelmäßig handeln. Diese Strategie hat das Ziel, dass man im Markt partizipiert, aber das Risiko nach unten dramatisch reduziert. Das hat natürlich seinen Preis, weil man immer wieder in den Markt investiert, aber dann auch wieder verkauft, wenn es nicht weiter nach oben geht. Das muss man natürlich managen und daher würde ich immer zuerst in den kapitalgewichteten Markt investieren, da sich das nur sehr langsam ändert.

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