Einer der Gründe, warum Bitcoin in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem als spekulative Wertanlage und weniger als Geld betrachtet wird, liegt in der mangelnden Akzeptanz auf der Händlerseite. Dass ein Unternehmen Bitcoin und Co. als Zahlungsmittel akzeptiert, ist schlechterdings noch immer mehr Ausnahme, denn Regel. Das Wuppertaler Start-up Medivas gehört zu diesen lobenswerten Ausnahmen.

Medivas liefert seinen Kunden seit 2010 Rundum-Sorglos-Pakete aus dem Bereich der audiovisuellen Medien- und Veranstaltungstechnik. Das international tätige Start-up mit Hauptsitz in Wuppertal verkauft und verleiht integrierte Lösungen für die Digitalisierung von Konferenzräumen. Ein weiterer Schwerpunkt des Unternehmens liegt im Bereich digitale Beschilderung (Digital Signage). Auf diese Weise kommenUnternehmen mit schwachen oder veralteten Veranstaltungsinfrakstrukturen in den Genuss des gesamten Spektrums der neuen audiovisuellen Arbeitsmittel. Zu den Vorzeigeprojekten Medivas gehört die Ausstattung des Münchner Leukäumielabors – unter anderem mit einem der größten Videokonferenzräume Deutschlands.

Der neuste Streich aus dem Hause Medivas untermauert nun den Anspruch des Unternehmens, sich als Triebfeder der Digitalisierung zu positionieren. Ab sofort können Medivas-Kunden die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens auch mit den Kryptowährungen Bitcoin (BTC) und Ripple (XRP) bezahlen.

Bitcoin und XRP: Weil Swift eine Zumutung sein kann

Die Hinwendung zu neuen Bezahlmethoden kommt bei Medivas indes nicht von ungefähr, sondern hat handfeste wirtschaftliche Hintergründe. Als international tätiges Unternehmen ist Medivas auf die reibungslose und schnelle Abwicklung grenzüberschreitender Zahlungen angewiesen. Der traditionelle Überweisungsstandard Swift kann dies nicht immer gewährleisten. Das musste Medivas bereits mehrfach selbst erfahren, wie CEO und Gründer Thomas Schwebinghaus erzählt:

Durch die lange Bearbeitungszeit sind Gelder teilweise tagelang nicht verfügbar, der Geschäftsprozess fällt, wenn man so will, in den „Schlafmodus“ und verursacht in Einzelfällen unvorhergesehene Mehrkosten. Es gibt zahlreiche Negativbeispiele. Vor Kurzem hatten wir etwa einen Fall, bei dem es schnell gehen musste. Die Zahlung für die Ware verzögerte sich durch die Bank so sehr, dass diese nicht rechtzeitig versandt werden konnte. Somit musste ein aufgebrachter Kunde eine 1.400 Km weite Fahrt auf sich nehmen, um die Ware bei seiner Ankunft mit Bargeld zu bezahlen.

Durch die neue Akzeptanz von Bitcoin und XRP sind Medivas und seine Kunden vor den Unwägbarkeiten des Swift-Verfahrens gefeit. Schließlich besteht das zentrale Versprechen der Kryptowährungen darin, Werte digital übertragbar zu machen; ohne dass es dazu einer vermittelnden Instanz wie etwa einer Bank bedarf.

Gehalt in Bitcoin und XRP? Für Medivas-Angestellte möglicherweise bald Realität

Das heißt freilich nicht, das Medivas den Banken den Kampf ansagt, im Gegenteil: Mit XRP als alternative Bezahlmethode will das Start-up einem Trend Rechnung tragen, der sich für CEO Schwebinghaus bereits seit längerem abzeichnet:

Es ist aus unserer Sicht nur noch eine Frage der Zeit, bis die flächendeckende Adaption von Ripples XRP bei Banken vollzogen ist. Aus diesem Grund fokussieren wir uns nicht ausschließlich auf Bitcoin, der mit Sicherheit eine große Rolle spiel – aus unserer Sicht jedoch vornehmlich im Privatsektor bzw. als Wertspeicher.

Medivas erwägt überdies nicht nur eine Integration von XRP und Bitcoin in einem neuen Onlineshop; auch die Angestellten des Start-ups könnten schon bald von der Krypto-Affinität des Unternehmens profitieren. So denkt die Unternehmensführung derzeit darüber nach, Gehälter auf Wunsch in Bitcoin oder XRP auszuzahlen – und das bereits ab 2020.