Der Bitcoin-Kurs wurde in der vergangenen Woche gerupft – jedoch nicht so sehr wie Libra und CBDCs. Das Meinungs-ECHO.

Benoît Cœuré: Libra ist ein Weckruf für Zentralbanken

EZB-Vorstandsmitglied Benoît Cœuré hat am Mittwoch, dem 25. September, die kritische Haltung der Zentralbanken gegenüber Stable Coins abermals untermauert. In einer Rede vor dem deutschen Bundestag reihte er sich ein in die Riege der Zentralbanker, die in Bitcoin keine Gefahr sehen, jedoch vor „Konzernwährungen“ warnen. Dabei erkennt er die Probleme, die Libra angehen will, durchaus an:

Trotz laufender Veränderungen und Verbesserungen steht das globale Zahlungssystem nach wie vor vor zwei großen Herausforderungen: dem Zugang [zu Bankdienstleistungen] und dem grenzüberschreitenden Massenzahlungsverkehr. […] Zahlungskonten und E-Wallets bieten Zugang zu zusätzlichen Finanzdienstleistungen wie Kredit und Versicherung, sodass ein fehlender Zugang zu ihnen die finanzielle Inklusion generell behindert.

Darüber hinaus stellten die Kosten für grenzüberschreitende Überweisungen ausgerechnet für diejenigen die größte Belastung dar, die sie am wenigsten tragen können. Wenn Privatunternehmen diese Probleme mit Stable Coins bekämpfen wollen, ergeben sich jedoch diverse Probleme, so Cœuré weiter:

Diese Initiativen stellen in einem breiten Spektrum von Politikbereichen gewaltige Herausforderungen dar. Besonders besorgniserregend sind die Risiken im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Geldwäsche und der Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung sowie der Verbraucher- und Datenschutz, die Widerstandsfähigkeit des Internets, der faire Wettbewerb und die Einhaltung der Steuervorschriften.

Ob die EZB den gleichen Weg wie ihr chinesisches Pendant, die PBoC, einschlagen wird, muss sich freilich noch zeigen. Letztere ist gerade dabei, ihre eigene Digitalwährung zu entwickeln – möglicherweise auch, um dem US-Dollar Konkurrenz zu machen.

CBDC als Lösung? Ex-Fedler winkt ab

Bei der US-amerikanischen Fed herrschen indes Zweifel, ob eine digitale Zentralbankwährung (Central Bank Digital Currency, CBDC) eine gute Idee wäre. Zuletzt hat mit Simon Potter ein Ex-Mitarbeiter der US-Notenbank Sinn und Unsinn einer CBDC doziert. Für Potter überwiegt eindeutig der Unsinn:

Es ergibt keinerlei Sinn, etwas so Kompliziertes [wie eine Digitalwährung] einzurichten, solange es in den USA große, liquide Kapitalmärkte gibt. Wenn man nicht eine einzelne Währung besitzt, mit der man die Preise von Dingen festsetzen kann und für die es zugleich einen tiefen Markt gibt, erschwert dies das Leben der Weltwirtschaft erheblich,

so Potter gegenüber dem Nachrichtenportal Bloomberg BNN.

Bitcoin als Versicherung gegen eine globale Wirtschaftskrise

Im Gegensatz zum Gedankenexperiment einer US-amerikanischen CBDC gibt es auch eine reale Bedrohung, die „das Leben der Weltwirtschaft erheblich erschwert“: der seit Monaten schwelende Handelskonflikt zwischen den USA und China. Man solle sich von den jüngsten Entspannungssignalen nicht zu viel erhoffen, warnt Mark Yusko, Gründer und Chef der Investmentfirma Morgan Creek Digital. Ein Weg, sich gegen einen drohenden Handelskrieg abzusichern, sieht Yusko in einer Investition in Bitcoin. Er würde das jüngste Abrutschen des Bitcoin-Kurses nutzen, um seine BTC-Einlagen aufzustocken:

Kauf es. Der tägliche Kurs von Bitcoin spielt keine Rolle, er lebt seit zehn Jahren. In jedem anderen Jahr als 2015 hat er einen höheres Kurstief erreicht und die Marktkapitalisierung ist jedes Jahr gestiegen,

gibt Yusko auf CNBC zu bedenken.

Erik Vorhees: Bitcoin rockt, wenn man die Nerven behält

Erik Vorhees, gilt als Early Adopter von Bitcoin. Der Chef der Bitcoin-Börse Shapeshift wurde bereits 2011 vom digitalen Gold angefixt und ist Bitcoin seitdem verfallen. Kein Wunder also, dass Vorhees zuversichtlich ist, was die langfristige Aussicht für den Bitcoin-Kurs betrifft. So betonte er im Podcast Off the Chain, dass der Bitcoin-Markt zwar Blasen bilde, jedoch mit jedem Bull Run neue Investoren erreiche. Es gelte, einen kühlen Kopf zu bewahren und sich von Kursstürzen nicht verunsichern zu lassen:

Als die Blase 2017 auftrat, hatte ich schon drei Blasen durchgemacht. Die erste im Jahr 2011, eine Anfang 2013 und die große Ende 2013. Und so merkte ich, wie das funktioniert, dass Bitcoin und diese Dinge dazu neigen, in diesen Zyklen zu verlaufen. Sie neigen dazu, im Laufe der Zeit zu steigen, sind aber kurzfristig sehr volatil. Es ist wirklich verrückt auf der Oberseite und wirklich verrückt auf der Unterseite, und solange man mit Beidem umgehen kann und nicht seine Nerven verliert, dann ist es eine großartige Branche. Als also die Blase 2017 auftauchte, war es für mich kein neues Phänomen,

so Vorhees im Podcast von Anthony „Pomp“ Pompliano.