Ein Mann aus der russischen Hauptstadt Moskau verklagt den IT-Giganten Apple wegen 69 GayCoin. Denn diese hätten ihn laut Anzeige „in die Homosexualität getrieben“, wie aus entsprechenden Medienberichten lokaler Nachrichtenportale hervorgeht. Ein entsprechendes Dokment hat der Radiosender Govorit Moskva (zu Deutsch: Moskau spricht) am 2. Oktober veröffentlicht. Dieses erhielt die Redaktion offenbar anonym per Post. Der russische Bürger fordert darin 1 Million Rubel Entschädigung, was ungefähr 14.000 Euro entspricht.

Demnach geht der Fall ins Jahr 2017 zurück. Damals lud ein russischer Staatsbürger eine Wallet-App zur Verwaltung von Kryptowährungen auf sein iPhone. Im Sommer desselben Jahres erhielt er von Unbekannten 69 GayCoins auf seine Wallet. Diese waren durch eine persönliche Nachricht begleitet: „Don’t blame it until you do that“ (zu Deutsch: Verurteile es nicht, bevor du es probiert hast). Der Empfänger ließ sich laut eigener Aussage auf die Aufforderung ein und „versank anschließend in gleichgeschlechtlichen Beziehungen.“ Er habe nun einen festen Partner und wisse nicht, wie er diesen Sachverhalt seinen Eltern erklären solle. Die Schuld an seiner Misere gibt er Apple.

GayCoins als „schwule Verführer“?

Die Firma habe ihn zur Homosexualität verleitet, argumentiert der Moskauer. Die GayCoins und ihre suggestive Message fügten ihm „moralische Leiden und seelische Schäden“ hinzu. Obwohl die Übertragung der Token und der Nachricht auf der App eines Drittanbieters erfolgt sei, trage Apple als Hüterin des App Stores die Verantwortung. Eine Erörterung der Sache durch das zuständige Bezirksgericht befindet sich in der Vorbereitung. Der US-Konzern äußerte sich bisher nicht zu dem Fall.

Die Story um die GayCoins wirkt durchaus bizarr und komisch. Der Hintergrund ist allerdings ernst: Obwohl Homosexualität in Russland nicht mehr strafbar ist, wurde in den letzten Jahren eine Reihe homophober Gesetze erlassen. Diese stellen beispielsweise die öffentliche Auseinandersetzung mit alternativen sexuellen Orientierungen als „Gay Propaganda“ unter Strafe. Zudem gab es zahlreiche Verhaftungen, Angriffe und auch Tötungsdelikte im Aktivistenumfeld der LGBTQI-Community.

Die GayCoins lassen sich unterdessen in die Kategorie der Shitcoins einordnen. Dies sind Token, die nur einen begrenzten Nutzen haben und in der Regel nur ein marginales Handelsvolumen verbuchen. Laut lokalen Experten hat die Klage des Moskauers kaum Erfolgschancen und dient vermutlich der Erregung öffentlicher Aufmerksamkeit.