Während sich der Bitcoin-Kurs aktuell von den jüngsten Rückschlägen zu erholen scheint, steht in Übersee eine wichtige Entscheidung an. Bis 14. Oktober soll die US-Börsenaufsicht (Securities and Exchange Commission, SEC) darüber richten, ob ein börsengehandelter Fonds (Exchange Traded Fund, ETF) für die größte aller Kryptowährungen zugelassen wird. Dabei handelt es sich um einen Antrag von Bitwise, der zu Beginn des Jahres bei der Behörde einging.

Was ist ein Bitcoin ETF?

Ein börsengehandelter Fonds ist zunächst ein Investmentfonds, der an einer Börse gehandelt wird. Hierbei investiert man jedoch nicht direkt in eine Anlageklasse. Vielmehr verbrieft ein ETF einen anteiligen Besitz an einem Sondervermögen. Anders gesagt: Für einen Bitcoin ETF würden Investoren ihr Kapital einem Vermögensverwalter überlassen. Dieser investiert es in einen Bitcoin ETF. Der Zugang zu Kryptowährungen würde somit für ein breiteres Publikum möglich.

Daher auch die Hoffnung vieler Anleger, dass sich eine Zulassung positiv auf den Bitcoin-Kurs auswirken könnte – durch einen erleichterten Zugang sollen mehr Menschen investieren. Darüber hinaus soll eine Zulassung durch die SEC mehr Sicherheit signalisieren. Doch diese hatte in der Vergangenheit größere Bedenken.

Die Bedenken der SEC

Vor allem, so ein häufiges Argument, sei es bedenklich, dass die Anlageklasse BTC sich in einer unregulierten Wild-West-Umgebung befinde. Immer wieder aufkommende Gerüchte um Manipulationen des Bitcoin-Kurses und gefälschte Handelsvolumina befeuerten diese Bedenken. Auch die sichere Aufbewahrung von Kryptowährungen war immer wieder ein Thema. Schließlich kommt es gerade auf Handelsplattformen für Kryptowährungen immer wieder zu Sicherheitsproblemen.

Das spricht für eine Zulassung eines Bitcoin ETF

In einem kürzlich veröffentlichten Interview äußerte sich nun Matthew Hougan, Global Head of Research bei Bitwise, zur anstehenden Entscheidung der SEC. Seiner Meinung nach hat sich das Krypto-Ökosystem allein in den letzten beiden Jahren positiv entwickelt. Demnach seien die Chancen auf eine Zulassung deutlich gestiegen:

Man muss bedenken, was sich am Bitcoin-Markt in den letzten beiden Jahren geändert hat. Vor zwei Jahren gab es noch keine regulierten Verwahrer im Bitcoin-Markt, heute gibt es fast zehn. Dazu gehören große Namen wie etwa Fidelity und Coinbase. Sie haben Hunderte von Millionen an US-Dollar an Absicherung von Firmen […]. [Außerdem] gab es [vor zwei Jahren] keine regulierten Krypto-Exchanges, heute sind sechs von zehn großen Exchanges reguliert und verfügen über Technologien, um den Markt zu überwachen,

so Hougan gegenüber dem US-Nachrichtensender CNBC.

Darüber hinaus, so Matt Hougan, sei der Markt insgesamt effizienter geworden, was man allein am Zulauf institutioneller Investoren erkenne. Ferner habe Bitwise in engem Kontakt mit der Behörde selbst gestanden und Daten sowie Forschungsergebnisse übermittelt:

Ich glaube, wir sind so nah dran wie noch nie, einen Bitcoin ETF genehmigt zu bekommen.

So habe sich auch die „Wild-West-Stimmung“ in der Szene etwas gelegt. Das, so Hougan weiter, erkenne man vor allem an den Bitcoin Futures auf der Chicagoer Optionsbörse (CME). Allein das tägliche Futures-Volumen von 200 Millionen US-Dollar signalisiere ein erhöhtes institutionelles Interesse. Die entscheidende Frage, die sich die SEC stellen müsse, sei daher, ob dieser Markt groß genug sei, um ihre Bedenken zu zerstreuen.

The SEC’s final bitcoin ETF ruling is on deck. Here’s what investors can expect

Entscheidung kann nicht mehr vertagt werden

Die SEC hat Entscheidungen zu Bitcoin ETFs in der Vergangenheit mehrmals vertagt. Im Fall von Bitwise ist das nun nicht mehr möglich; die Behörde muss bis zum 14. Oktober über den Antrag urteilen.

Selbst im Falle einer Ablehnung ist Bitwise jedoch optimistisch. Bitwise erwartet zumindest Handlungsempfehlungen:

Sie werden uns detaillierte Handlungsempfehlungen geben. Zumindest hoffen wir, dass sie uns detaillierte Handlungsempfehlungen geben. Vor allem in Bezug darauf, welche Fragen erfolgreich beantwortet wurden […].

Ob er zugelassen wird oder nicht: Die Stimmung hat sich gebessert. Das bestätigte zuletzt auch Jay Clayton von der SEC selbst. Clayton sagte in einem Interview:

Es gibt noch Arbeit zu tun. Das sind keine trivialen Fragen [,die wir beantworten müssen]. Wie können wir wissen […], wie wir diese Krypto-Assets [richtig] aufbewahren können? Das ist eine Schlüsselfrage. Eine sogar noch schwierigere Frage: […] Wie können wir sicher sein, dass diese Kurse nicht von starker Manipulation beeinflusst sind? Es gibt bereits Fortschritte. Aber [Antragsteller] müssen uns diese schwierigen Fragen beantworten, damit wir [die SEC] uns damit wohl fühlen, solche Produkte zuzulassen.

Bitwise-Konkurrent VanEck gelang es bereits, eine abgespeckte, exklusive Version eines Bitcoin ETF vorbei an den wachsamen Augen der Behörde zu schmuggeln. Eine größere Signalwirkung blieb bisher jedoch aus.