Gerade wenn große Summen an Bitcoins von Börsen oder auf Börsen verschoben werden, sind das besonders wichtige Momente im Krypto-Markt. „Whales“ sollen den Kurs so kontrollieren. Aktuelle Zeiten forcieren derartige Sorgen: Der Bitcoin-Kurs erlebt gerade einen Pump.

Tageschart auf Basis des Wertepaares BTC/USD auf der Börse Bitstamp erstellt. 

Ist dieser nachhaltig oder führen uns wieder Wale an der Nase herum? Man kann die Sorge verstehen. Der 24. September war ein Menetekel, das zeigt, dass große Kursstürze auch immer mit großen Volumen einhergehen. Wenn also auf eine Börse ein großer Betrag geschoben wird, ist die Sorge groß.

Derartige Ereignisse sind laut Whale Alert jüngst geschehen: am 8. Oktober 2019 um zehn Uhr morgens gingen von verschiedenen Adressen insgesamt 2.410 BTC, nach aktuellem Bitcoin-Kurs also fast 20 Millionen US-Dollar, an eine bisher unbekannte Adresse. Ungefähr zwei Stunden später kam es zu einer noch dramatischeren Transaktion: ganze 4,240 BTC, also über 30 Millionen US-Dollar wurden von verschiedenen Wallets an eine Adresse gesandt. Laut Whale Alert soll die erste Transaktion von Coinbase ausgegangen sein, während die zweite Bitstamp zum Ziel hatte.

In der Community äußerten manche die Sorge, dass ein großer Wal bei Coinbase seine Bitcoins abzog, um diese nun auf Bitstamp zu transferieren. Nun soll er diese verwenden, um den Bitcoin-Kurs weiter zu drücken. Doch lassen sich für diese These irgendwelche Anhaltspunkte – bis auf die zeitliche Nähe – finden?

Mit Oxt.me auf Walfang

Auch wenn Coinjoining und andere Verfahren die Anonymität auf der Bitcoin-Blockchain stark verbessern, bleibt Bitcoin ein in erster Linie durchaus transparentes System. Sofern Nutzer nicht besondere Strategien anwenden, sind gerade große Transaktionen nicht nur bemerkbar, sondern nachverfolgbar. Wir können also überprüfen, ob die These des Geldtransfers von Coinbase auf Bitstamp wirklich stichhaltig ist.

Explorer wie Oxt.me vereinfachen dabei die Arbeit. Es werden Korrelationen zwischen verschiedenen Adressen erfasst und zu möglichen Identitäten auf der Blockchain gebündelt. Das geschieht, einfach gesprochen, wie folgt:

Sagen wir, Alice erhält von Bob und Carol jeweils einen BTC. Bob überweist diesen an die Adresse A, Carol an Adresse B. Die Adressen A und B sind unter der Kontrolle von Alice. Sie möchte nun Dave 2 BTC überweisen. Auf der Blockchain wird man dann sehen, dass die Adressen A und B in der Transaktion an Dave vorkommen. Schließlich ist in keiner der beiden Adressen die vollständige Summe von 2 BTC enthalten. Eve, die das Verhalten auf der Blockchain beobachtet, kann nun daraus schließen, dass die beiden Adressen A und B, da sie gemeinsam zum selben Zeitpunkt in einer Transaktion vorkommen, derselben Entität gehören. Mehr noch.

Sollte die Adresse A gemeinsam mit der Adresse C in der Vergangenheit für eine Transaktion an Frank verwendet worden sein, weiß nun Eve, dass auch die Adresse C mit den beiden anderen Adressen gemeinsam kontrolliert wird. Wenn nun Eve eine dieser Adressen mit Alice assoziieren kann weiß sie, dass die anderen beiden auch zu Alice gehören.

Wie es von Coinbase weiter ging

Das lässt sich auf Börsen übertragen. Börsen und große Unternehmen kontrollieren häufig tausende von Adressen. Mit Tools wie Oxt.me lässt sich also etwas Ordnung in das Chaos der Adressen auf der Bitcoin Blockchain bringen. Addiert man dazu noch die Arbeit von Eve und anderen können Dritte beobachten, was für Entitäten hinter den großen Transaktionen auf der Bitcoin Blockchain stehen können.

Betrachten wir also, was mit den 2.410 BTC von Coinbase geschah. Wir erkennen, dass nicht einmal 20 Minuten später eine weitere Transaktion durchgeführt wurde:

erste Transaktion nach Coinbase

Der Löwenanteil von knapp 2.000 BTC ging an eine Adresse, die wieder mit dem glücklichen Empfänger der 2.410 BTC verbunden ist. Lediglich 446 BTC wurden von dieser Wallet weitergeschickt. Hier wird es nun interessant: Laut oxt.me sollen diese 446 BTC an eine weitere Börse, nämlich Gemini, überwiesen worden sein:

Das Geld ging an Gemini

Wir können den Weg auf Gemini weiterverfolgen. Eine knappe Stunde später wurde das Geld zum Teil an Coinbase überwiesen und dort an mehrere Adressen in Größen von 10-15 BTC verteilt. 369 BTC blieben auf Gemini.

Woher kam nun das Geld auf Bitstamp?

Ein Transaktionpfad von Coinbase zu Bitstamp kann also eher ausgeschlossen werden. Woher kam aber die große Summe auf die genannte Börse? Zwar kommen wir hier mit oxt.me etwas an unsere Grenzen, aber etwas kann das Tool hier auch helfen.

Die 4.240 BTC kamen von mehreren Adressen, die anscheinend einer größeren, zusammenhängenden Entität gehören:

Der Ursprung des Geldes auf Bitstamp

Leider verlieren sich da die Spuren. Die Quelladressen der Multi-Signature-Wallet sind allesamt nur einmal verwendet worden, so dass hier kein Bezug zu einer Börse oder sonstiger Entität hergestellt werden kann.

Was wir jedoch wissen, ist, dass der Großteil der Bitcoins noch in der Adresse von Bitstamp liegen. „Nur“ 1.000 BTC wurden weiter überwiesen, scheinen jedoch weiterhin zu Adressen derselben Entität zu gehören.

Oxt.me – die Beruhigungspille nach Whale Alert

Viele im Krpyto-Ökosystem folgen gerne den Meldungen von Whale Alert. Gerade bezüglich Bitcoin sind diese sehr interessant und können tatsächlich auf Bewegungen von großen Walen hinweisen. Einzig und allein dem Twitter Account von Whale Alert sollte man jedoch nicht folgen. Vor allem in den Kommentaren gedeihen FUD und Panik. Statt sich von diesen Emotionen mitreißen zu lassen, bietet es sich deshalb mehr an, mithilfe von Blockchain-Explorern wie oxt.me die Transaktionen nachzuvollziehen und sich seine eigene fundierte Meinung zu bilden. DYOR bleibt das beste Mittel gegen FUD.

Chart mithilfe von TradingView erstellt