Die Witwe des verstorbenen Geschäftsführers der ehemaligen kanadischen Bitcoin-Börse QuadrigaCX hat angekündigt, verprellte Nutzer zu entschädigen. Wie die kanadische Rundfunkgesellschaft CBC berichtet, hat Jennifer Robertson angekündigt, die Hinterlassenschaften ihres verstorbenen Mannes Gerald „Gerry“ Cotten sowie „einen Großteil“ ihrer eigenen Assets darauf zu verwenden, ehemaligen Nutzer entgegenzukommen.

So ließ Robertson über ihren Anwalt mitteilen:

Ich hatte keine direkte Kenntnis darüber, wie Gerry sein Unternehmen vor seinem Tod betrieben hat und war mir nicht über sein unpassendes Vorgehen bewusst. Vor allem wusste ich nichts über seine Trading-Aktivitäten oder seine Aneignung von Nutzergeldern. Ich erkläre mich bereit, QCX Assets zurückzugeben, von denen ich dachte, dass sie aus Gerrys legitimen [Einnahmen] stammen. Ich war traurig und enttäuscht von Gerrys Aktivitäten […].

Insgesamt dreht es sich hier um die Summe von 214,6 Millionen kanadischen Dollar, verteilt auf 76.319 Nutzer, die als verloren gelten. Die betroffene Bitcoin-Börse war im Januar 2019 plötzlich offline gegangen, da der Betreiber überraschend bei einer Indien-Reise verstorben war. In sein frühzeitiges Grab nahm er dabei die Private Keys für den Cold Storage der Börse mit – also den Zugang zu sämtlichen eingelagerten Kundengeldern.

Im Verlauf der anschließenden Ermittlungen stellte sich jedoch heraus, dass die betroffenen Wallets leer waren und Cotten offenbar Schindluder mit den Kundengeldern getrieben hatte.

So hatte er unter Verwendung von Decknamen Kapital von Kunden auf eigene Konten überwiesen, um damit auf anderen Börsen zu traden. Offenbar mit wenig Erfolg – die Trades sollen insgesamt eine negative Bilanz gehabt haben, wie CBC weiter berichtet.

Dennoch investierte Cotten großzügig in Immobilien. An seine Frau vererbte er Grundstücke im Gesamtwert von 7,5 Millionen kanadischen Dollar.

QuadrigaCX: Umstrittene Bitcoin-Börse aus Kanada

Abgesehen von diesen Fehltritten des ehemaligen Betreibers rankten sich in der Community Gerüchte um dessen Tod. So gab es Verdachtsmomente, die darauf hinwiesen, dass Cotten seinen Tod nur vorgetäuscht haben könnte. Die verlorenen Kundengelder und die mysteriösen Todesumstände führten letzten Endes dazu, dass sich die US-Bundespolizei FBI in die Angelegenheit einschaltete.