Burkhard Balz bleibt seiner Bitcoin-kritischen Linie treu. In einer Rede vor der Universität zu Kapstadt hat das Bundesbank-Vorstandsmitglied am 8. Oktober erneut betont, dass Kryptowährungen sich nicht als Geld eignen. So gingen Bitcoin & Co. entscheidende Eigenschaften ab, über die Geld verfügen müsse. Vor allem deren im Verhältnis zu Fiatgeld große Kursschwankungen disqualifizierten Kryptowährungen für den Einsatz als Geld.

Der Zweck des Geldes ist es, für Zahlungen verwendet zu werden, als Wertaufbewahrung und als Rechnungseinheit zu dienen. Alle drei Funktionen erfordern, dass Geld stabil ist. Daher werden die bisher erfundenen 2.000 oder mehr Krypto-Token nicht in erster Linie als Geld verwendet. Die meisten von ihnen weisen eine solch extreme Volatilität in Bezug auf den Wert auf, dass die Menschen davon absehen, sie für Zahlungen oder als Wertaufbewahrung zu verwenden.

Der Bundesbank-Vorstand widerspricht ferner der Argumentation, dass die Beschränkung von Bitcoin auf 21 Millionen Einheiten langfristig für einen stabilen Bitcoin-Kurs sorgen wird.

Die Realität ist eine andere. Und der Grund ist einfach. Der Preis des Geldes hängt von Angebot und Nachfrage ab. Eine feste Versorgung oder eine feste algorithmische Erhöhung der Versorgung ist keineswegs eine Garantie für Stabilität,

so Balz.

Stable Coins: Ein Kniefall vor der Geldpolitik der Zentralbanken?

Auch die Stable Coins, also Kryptowährungen, deren Wert durch diverse Mechanismen – wie etwa ihre Deckung durch traditionelle Währungen – stabil bleiben soll, können den Zentralbanker nicht überzeugen. Die vermeintliche Wertstabilität von Tether & Co. basiere letztlich auf der Stabilität der Fiatwährungen, die zur Deckung der Stable Coins gehalten werden.

Dies könne man laut Balz durchaus als ein Kompliment an eine gelungene Geldpolitik der Zentralbanken verstehen:

Stable Coins profitieren von einer Art abgeleiteter Stabilität. Dies könnte man als Anerkennung für die erfolgreiche, stabilitätsorientierte Geldpolitik der Zentralbanken interpretieren.

Balz räumt indes ein, dass die Zentralbanken mit ihrer Geldpolitik nicht immer „stabilitätsorientiert“ gehandelt haben, vor allem wenn sie von Regierungen als Gelddruckmaschine missbraucht würden:

Die Geschichte ist voll von Beispielen, in denen unsolide öffentliche Politik die Zentralbank fälschlicherweise zur Unterstützung und sogar zur Finanzierung der Regierung genutzt hat. Dies hat in allen Fällen zu einem Mangel an Stabilität geführt und das Vertrauen in die Zentralbank und in die Währung untergraben.

Deshalb sei neben der Stabilität die Unabhängigkeit der Zentralbanken für eine gelungene Geldpolitik unabdingbar, schlussfolgert Balz.

Der Bundesbank-Vorstand räumt zudem ein, dass sich die globale Finanzwirtschaft in einer Umbruchphase befindet. Banken würden FinTech-Unternehmen immer häufiger als Partner und nicht mehr als Konkurrenz betrachten. Umgekehrt seien Technologie-Konzerne wie Google, Amazon, Apple und Facebook längst in den Finanzsektor vorgedrungen.

Bestrebungen, die auf die Einführung von Konzernwährungen mit enormer Reichweite abzielen – Stichwort: Libra – müssten höchsten regulatorischen Standards entsprechen. Darüber herrsche laut Balz bereits globaler Konsens unter den Regulatoren.

Libra hat die Bundesbank aus dem Schlaf gerissen

An anderer Stelle erwähnt Balz, dass die Bundesbank das Potenzial von Distributed-Ledger-Technologien, zu denen auch die Blockchain zählt, zur Verbesserung des internationalen Zahlungsverkehrs erforsche. Balz betont jedoch, dass es dabei vor allem um die Senkung von Transaktionskosten geht. Dass Technologie selbst die Rolle von Geld einnehmen wird, wie es bei Bitcoin gewissermaßen der Fall ist, sieht Balz jedoch nicht.

Denn eines, so Balz abschließend, habe Libra bereits erreicht. Der geplante Facebook Coin habe die Unzulänglichkeiten der globalen Zahlungsverkehrs aufgezeigt:

Hohe Kosten für grenzüberschreitende Zahlungen, lange Ausführungszeiten und immer noch eine beträchtliche Anzahl von Menschen, die keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen haben.

Deshalb sei Libra vor allem ein Weckruf für die Zentralbanken, hebt Balz hervor. Diese müssten entsprechend reagieren und mit moderner Technologie die bestehenden Systeme verbessern.

Damit steht Balz nicht alleine da. Auch Benoît Cœuré, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), wurde von Libra aus dem Schlaf gerissen.