Charles Hoskinsons erneuert seine Kritik an Bitcoin-Maximalismus, Brad Garlinghouse offenbart Libra-Skepsis und VanEck-Direktor fordert die Politik auf, Innovationen nicht im Keim zu ersticken. Das Meinungs-ECHO.

Ripple-Chef Garlinghouse: Kein Libra vor 2023

Brad Garlinghouse rechnet aufgrund offener Regulierungsfragen mit dem „Facebook Coin“ Libra nicht vor dem Jahr 2023. Die regulatorischen Bedenken, die der geplanten Konzernwährung bereits jetzt entgegenschlagen, seien dabei auch auf dem durch diverse Datenschutzskandale angeschlagenen Image des Social-Media-Giganten begründet. Im Interview mit dem US-Wirtschaftsmagazin Fortune führt Garlinghouse aus:

Ich denke, [Libra] wäre womöglich besser aufgenommen worden, wenn Facebook nicht dessen Speerspitze bilden würde. Facebook war im Fadenkreuz einer Reihe von Regierungen auf der ganzen Welt. Ich denke, es wird ein schwieriger Weg werde,

Nach seiner Einschätzung zu einem möglichen Starttermin für den „ZuckBuck“ gefragt, erwidert der Chef des kalifornischen FinTechs Ripple:

[…] sagen wir, ich glaube nicht, dass Libra bis Ende 2022 lanciert worden ist,

VanEck-Direktor Gurbacs: Libra-Exodus zeigt Bedeutung von Zensurresitenz

Gabor Gurbacs sieht die Libra-kritischen Haltung von US-Politik und -Regulierung indessen problematisch. Der Druck, gerade vonseiten des US-Senats, sende ein fatales Signal in Richtung innovationsfreudiger Konzerne. Und stelle letztlich die Unahbängigkeit der Regulierungsbehörden infrage:

Ich war enttäuscht zu sehen, wie Mitglieder des US-Senats die bestehenden Geschäftsfelder privater Unternehmen direkt mit Aufsichtsbehörden und Regulierungsmaßnahmen bedrohten. In der Regel sind die wichtigsten Regulierungsbehörden unabhängige Agenturen/Einheiten, zumindest in der Theorie,

twittert der VanEck-Manager seinen Unmut, der unter anderem auf diesem Schreiben beruht, mit dem der US-Senat Druck auf die Libra-Partner ausgeübt haben soll. Der Fall Libra unterstreiche unterdessen die zentrale Bedeutung der Zensurresistenz, wie sie etwa bei Bitcoin gegeben sei.

Bitcoin ist das Markenzeichen von Kryptowährungen… und „blind, taub und dumm“

IOHK-Chef und Cardano-Gründer Charles Hoskinson hat im Podcast „Off the Chain“ der Szenegröße Anthony „Pomp“ Pompliano eine ambivalente Haltung gegenüber Bitcoin an den Tag gelegt. Danach sei Bitcoin bewusst „blind, taub und dumm“ konzipiert. Das habe seinerzeit ausgereicht, um beweisen zu können, dass  die dezentraliserte  Konsensfindung per Proof of Work funktiniert und eine Wertsteigerung des Tokens möglich sei. Was für die Pionierphase von Kryptowährungen ausreichend war, stoße jetzt an seine Grenzen:

Ich kann nicht einmal Pull-Zahlungen mit Bitcoin machen und das ist das tägliche Brot der meisten unserer kommerziellen Systeme

Auch Second-Layer-Lösungen wie das Bitcoin Lightning Network können den Cardano-Erschaffer nicht überzeugen. Die Einrichtung von Bezahlkanälen habe einen zentralisierenden Effekt:

Du erzielst deine dezentrale Realität, deinen dezentralen Traum nicht, indem du sie zentralisierst. Das ist philosophisch unvereinbar.

Dennoch gesteht Hoskins Bitcoin zu, dass das Schicksal des gesamten Krypto-Marktes von seinem Erfolg abhänge:

Bitcoin ist offen gesagt die Marke der Kryptowährungen. Wir können nicht sagen, oh, ich werde es schaffen, aber Bitcoin wird scheitern. Wenn Bitcoin scheitert, wird die ganze Branche wahrscheinlich eine wirklich schlechte Zeit erleben,

hypothetisiert Hoskins im Pomp-Cast.