Die SEC ist im Kryptoversum für ihr wachsames Auge bekannt. Erst kürzlich breitete die US-Börsenaufsicht auf über 100 Seiten aus, warum sie keinen Bitcoin Exchange Traded Fund (ETF) zulassen kann. Die Begründung: mangelnde Sicherheit und fehlender Investorenschutz. Nun muss auch der Messaging-Dienst Telegram seine Aktivitäten einstellen.

Einstweilige Verfügung gegen Telegram

Wie die Behörde am 11. Oktober mitteilt, spricht sie eine einstweilige Verfügung gegen den Token Sale von Telegram aus. Im Rahmen des privaten Token-Verkaufs für TON  habe das Unternehmen seit Januar 2018 bereits Token im Wert von 2,9 Milliarden US-Dollar verkauft. Darunter – das dürfte die SEC letztlich am meisten stören – fiel auch der Verkauf von über einer Milliarde Gram Token an 39 US-Investoren. Das Unternehmen habe zudem versprochen, die Token bis 31. Oktober 2019 auszuliefern – auch in die USA. Dabei hätte Telegram jedoch, so die Behörde weiter, versäumt, den Token als Wertpapier (Security) zu registrieren. Stephanie Avakian, Co-Direktorin der Division of Enforcement bei der SEC dazu:

Unsere heutige Notfallmaßnahme soll verhindern, dass Telegram die US-Märkte mit digitalen Token überschwemmt, von denen wir ausgehen, dass sie rechtswidrig verkauft wurden. Wir denken, dass die Beklagten es versäumt haben, den Anlegern Informationen über die Geschäftstätigkeit von Gram und Telegram zu geben. Dazu gehören die Finanzlage, die Risikofaktoren und das Management zur Verfügung zu stellen, wie es das Wertpapiergesetz vorschreibt.

Steven Peikin, Co-Direktor derselben Abteilung, sieht die Lage ähnlich:

Wir haben wiederholt erklärt, dass Emittenten die Bundeswertpapiergesetze nicht umgehen können, indem sie ihr Produkt einfach als Kryptowährung oder Token kennzeichnen. Telegram strebt danach, die Vorteile eines öffentlichen Angebots zu nutzen, ohne die seit Langem bestehenden Offenlegungspflichten zum Schutz der Anleger zu erfüllen.

SEC und Bitcoin-Unternehmen

Während Telegram nun in der Bringschuld steht, handelt es sich hier längst nicht um das einzige Unternehmen aus dem Bitcoin-Ökosystem, das der Behörde gegenübersteht. Die Richtlinien der SEC veranlassten andere Token-Anbieter in der Vergangenheit sogar, US-Investoren vom eigenen Geschäftsmodell auszuschließen.

In diesem Zusammenhang steht vor allem der Rechtsstreit zwischen den US-Behörden und der Bitcoin-Börse Bitfinex. Diese steht mit ihrem Tochterunternehmen Tether im Verdacht, Kundengelder veruntreut zu haben. Bisher konnten sie sich jedoch aus den Fängen der Justiz winden. Sie verwiesen darauf, dass die SEC nicht für sie zuständig sei; US-Bürger sind von Geschäften mit Bitfinex ausgeschlossen.