nSei es die drohende Gefahr der Überfischung, der argwöhnische Blick auf das Fangdatum oder die Suche nach dem Öko-Siegel – kaum ein Lebensmittel wird von Kunden beim Kauf mit solch Argus-Augen unter die Lupe genommen wie Fisch. Dies gilt besonders für leicht-verderbliche, frische Meeresfrüchte. Die Folge: Zwar nimmt der Fischkonsum weltweit zu. Glaubt man Statistiken, kommt jedoch weltweit immer weniger frischer Wildfang auf den Teller. Aquakulturen werden immer beliebter.

Fischfangunternehmen fürchten diese Sorgen, könnten sie doch in Zukunft das Aus einzelner Branchenzweige bedeuten. Raw Seafoods aus dem US-Bundesstaat Massachusetts will den Bedenken nun mithilfe der Blockchain-Technologie den Kampf ansagen.

IBM-Plattform soll Vertrauen sichern

Wie der Software-Anbieter IBM an diesem Donnerstag, dem 17. Oktober, auf seiner Website verkündet, ist das Fischfangunternehmen als jüngstes Mitglied der Lebensmittel-Plattform IBM Food Trust beigetreten. Mithilfe der Blockchain-Software wollen die beiden Firmen nun gemeinsam die Lieferketten nordatlantischer Jakobsmuscheln absichern. So will man für Transparenz, Lebensmittelsicherheit, nachhaltigen Fang und damit nicht zuletzt Kundenvertrauen sorgen.

Hierzu laden die Muschelfänger von Raw Seafoods künftig sämtliche Fanginformationen an Ort und Stelle auf die Food-Trust-Datenbank hoch. Diese werden dann automatisch mit allen Mitgliedern der Lieferkette geteilt. Mithilfe der Fangdaten können sich Vertriebe, Supermärkte und Restaurants dann der Qualität ihrer Ware vergewissern.

Blockchain[-Technologie] hilft Verarbeitern von Meeresfrüchten, Lieferanten, Einzelhändlern und sogar Köchen dabei, die Messlatte für ihre Kunden höher zu legen. Wenn ein Koch in einem unserer Partnerrestaurants glaubt, dass die von ihm gekauften Jakobsmuscheln zu sandig sind, kann er jetzt den Kapitän des Bootes anrufen, welches diese gefangen hat,

gibt sich Dan McQuade, Marketing-Chef von Raw Seafoods, überzeugt von der Initiative.

Mit dem Projekt hofft man nun darauf, zum Vorbild für die gesamte Fangindustrie zu werden. Denn nicht nur bei Jakobsmuscheln, sondern vor allem bei importiertem Premium-Fisch wie etwa bei Königskrabben aus Alaska sei die Lieferkette häufig kaum nachvollziehbar. Etikettenschwindel gehört hier nicht selten zur Tagesordnung.

Angesichts des weltweit stetig ansteigenden Fischkonsums und damit einhergehend allgegenwärtiger Warnungen vor der Überfischung der Weltmeere seitens Umwelt- und Verbraucherschützer, zählt die atlantische Jakobsmuschel jedoch nicht zu den bedrohten Arten. Marketing-Initiativen wie Food Trust, die besorgten Verbrauchern dies vor Augen führen, könnten damit zum wichtigen Rettungsanker für die Fangindustrie werden.

Blockchain-Lieferketten sind bewährtes Rezept

Neu ist die Idee jedoch nicht. Der Herkunftsnachweis von Lebensmitteln gehört zu den wohl vielversprechendsten und oft erprobten Anwendungsgebieten der Blockchain-Technologie. In der Vergangenheit haben neben dem Berater von Deloitte, den Umweltschützern von WWF oder dem Wiener Start-up Crypto Future bereits mehrfach Unternehmen Vorstöße ins Spiel gebracht, die besonders die Lieferketten von Fisch absichern sollen.

Vonseiten des Software-Riesens IBM kann Raw Seafoods dabei auf breites Vorwissen zählen. Zu den Kunden der Blockchain-Plattform zählen derzeit bereits der US-Branchenverband National Fisheries Institute sowie die ecuadorianischen Krabbenfischer Sustainable Shrimp Partnerschaft (SSP). Darüber hinaus weiß Food Trust mit Douwe Egberts, Nestlé, Albertsons, Carrefour oder Walmart zahlreiche Weltkonzerne mit teils sensiblen Lieferketten unter seinen Nutzern.