Die Lage am Krypto-Markt, so mag man meinen, nimmt sich wie die Ruhe vor dem Sturm aus. Frei nach wohlbekannten Bitcoin-Experten und -Analysten ist man geneigt zu sagen: Es könnte nach oben und nach unten gehen. Je nachdem, in welche Richtung sich der Bitcoin-Kurs bald bewegt, könnten wir uns im nächsten Bull Run die Hörner aufsetzen oder auf den Bären in den Abgrund reiten.

So bestätigt ein Blick auf die Lage am Krypto-Markt: Auch die Anleger-Stimmung bewegt sich in neutralere Gefilde. Lag sie vor einer Woche noch bei „extremer Angst“, bewegt sie sich langsam wieder in den grünen Bereich:

Inmitten dieser wechselhaften Stimmung geistert eine Nachricht durch die Krypto-Welt: Deutschland könnte 2020 zum Krypto-Mekka werden, weil deutsche Banken bald Bitcoin verkaufen werden. Zeit, das Heilsversprechen genauer zu untersuchen.

Bitcoin-Banken, Deutschland und das neue Verwahrgesetz

Der deutsche Bundesrat hat am 29. November die Beschlussempfehlung des Finanzausschusses zur Verwahrung von Bitcoin & anderen Kryptowährungen durchgewunken. Dieser hatte sich für die Streichung des Trennungsgebots von Bitcoin und anderen Finanzdienstleistungen oder regulierten Bankgeschäften ausgesprochen. Das bedeutet zunächst nichts anderes, als dass deutsche Banken ab 2020 auch Bitcoin & Co. aufbewahren dürfen.

In der Krypto-Szene überschlugen sich sogleich die Nachrichten: Deutschland würde zum neuen Bitcoin-Mekka, weil deutsche Banken bald auch Bitcoin verkaufen. Sobald und wenn das neue Gesetz durchgewunken wird, ist das theoretisch möglich. Ob sich Banken jedoch auf den Tanz mit Kryptowährungen einlassen, ist eine andere Frage. Schließlich ist Bitcoin Trading nach wie vor eine riskante Angelegenheit.

Die Krypto-Pläne deutscher Banken scheinen bislang jedoch noch nicht allzu ausgereift. So stehen Antworten auf Anfragen bei Commerzbank, Santander, DZBank, der Bayerischen Landesbank, Berliner Sparkasse sowie der Volkswagen Bank bisher noch aus. Lediglich die Pressestelle der ING bestätigte, dass sie die Marktentwicklung beobachte. Konkrete Pläne zu einer Integration von Bitcoin & Co. gebe es jedoch bisher keine.

Frank Hartmann, Pressesprecher der Deutschen Bank, ließ ähnliches gegenüber BTC-ECHO verlauten:

Die Deutsche Bank beobachtet das Thema, aktuell gibt es aber keine Pläne, in das Verwahrgeschäft von Kryptowährungen einzusteigen.

Rechtssicherheit bereitet Boden für Adaption

Dennoch bereitet das kommende Gesetz ab 2020 einen regulierten Boden, indem ein Ökosystem Raum zur Entfaltung bekommt. Die Aufhebung des Trennungsgebots führt schließlich dazu, dass Kryptowährungen im selben rechtlichen Kontext wie andere regulierte Bankgeschäfte stattfinden können. Immerhin: Über 10 Jahre nach dem ersten Aufkommen der Technologie lichtet sich der Paragraphendschungel etwas.

Dementsprechend gibt es gerade im deutschen Ökosystem immer wieder Fortschritte. So erreichte uns erst kürzlich die Nachricht, dass Kapilendo die Mittelstandsfinanzierung via Token für die Pizzakette L’Osteria ermöglicht – die Adaption der Blockchain-Technoloie breitet sich aus.

Was würde Satoshi Nakamoto sagen?

Erinnert man sich an die Grundidee hinter Bitcoin, wirken die Träume von einer Krypto-Adaption durch Banken absurd. War Satoshi Nakamoto nicht mit der Idee angetreten, ein dezentrales Peer-to-Peer-Geldsystem zu entwerfen, dass eben ohne Mittelsmänner wie (Zentral-)Banken und/oder Institutionen auskommt?

Die Idee, dass es nun eben doch vermittelnde Instanzen benötigt, um die Technologie an Frau und Mann zu bringen, wirkt geradezu widersprüchlich. Nach wie vor tanzt der Geist Satoshis mit den Gespenstern der Dezentralisierung. Gerade dezentrale Exchanges haben es im stark umkämpften Krypto-Markt bisher nicht geschafft, sich durchzusetzen. So berichteten wir erst am 2. Dezember über die Schließung der dänischen dezentralen Exchange (DEX) CryptoBridge. Die Gründe dafür: rechtliche Schwierigkeiten und eine harte Marktlage.

Krypto-News international

Nicht überall geht es so wohlgesonnen zu wie in der Bundesrepublik. So warnt etwa die russische Zentralbank-Chefin vor Kryptowährungen. Sie vergleicht Bitcoin & Co. mit Glücksspiel im Casino und erinnert an den Blasencharakter von Bitcoin & Co. China feilt unterdessen weiter an der eigenen Blockchain-Strategie. Seit Kurzem gibt es etwa das „Blockchain Services Network“ – eine mit jedem Tag wachsende Datenkrake, die der Kommunistischen Partei mit Daten dient.

Die Zentalbank in Südafrika gibt sich ähnlich restriktiv – so sollen ab 2020 die für Fiatwährungen geltenden Kontrollen auch auf Kryptowährungen ausgeweitet werden. Unkontrollierten Geldflüssen soll damit schnellstens der Riegel vorgeschoben werden.

Politischen Zündstoff transportierte indes ein Ethereum-Entwickler. Dieser wurde am 28. November in Los Angeles verhaftet. Bei einer Konferenz in Nordkorea soll er Wissen über den Umgang mit Kryptowährungen zu illegalen Zwecken verbreitet haben.

In der Schweiz hingegen wird das Klima mit jedem Monat krypto-freundlicher. So soll eine aktuelle Gesetzesvorlage mehr Rechtssicherheit für Blockchain-Anwendungen schaffen. Ähnlich wie Malta und Liechtenstein bereiten die Schweizer schon länger einen fruchtbaren Boden für Bitcoin & Co. Falls das aktuelle Gesetz also in Kraft tritt, darf sich Deutschland hier auf Aufholjagd begeben.

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