Identität findet mehr und mehr im Digitalen statt. Während wir unser Facebook-Profil pflegen, inszenieren wir unser optimiertes Selbst auf Instagram und unterrichten die Fan-Gemeinde davon auf Twitter. Für den professionellen Eindruck transportiert man das Ganze aufpoliert nach LinkedIn oder Xing, je nach Gusto. Während die einzelnen Teile der digitalen Identität dabei verteilt beziehungsweise zunehmend dezentral sind, sind sie größtenteils auf zentralen Servern gespeichert.

Das führt bisweilen zu Bedenken: Mit der zentralisierten Speicherung von Daten wird auch Schindluder ermöglicht – nicht umsonst steht der Zuckerberg-Konzern Facebook nach wie vor hart in der Kritik.

Blockchain-Enthusiasten wie Datenschützer sehen die Lösung für dieses Problem in der Dezentralisierung der digitalen Identität. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie von BIS Research darf man hier für die kommenden Jahre einen Wachstumsmarkt erwarten. Die Prognose des Unternehmens: Je bewusster sich Menschen über ihre Daten werden, desto größer wird der Markt für dezentrale Identitätsverwaltung.

Digitale Identität: Ähnliche Probleme wie bei Bitcoin

Mit der dezentralen Identitätsverwaltung, so die Vorstellung, sollen Einzelne die volle Kontrolle über den Umgang mit ihren Daten bekommen. Doch dies gilt längst nicht nur für personenbezogene Identitäten: Gerade im Bereich von digitalen Produkt-Identitäten wird die autonome Verwaltung zunehmend denkbar. Dementsprechend stellt BIS Research fest:

Die steigende Anzahl von IoT-verbundenen Geräten, wachsende Bedrohungen der Cybersicherheit, das zunehmende Bevölkerungswachstum und vermehrte Sicherheitsbedenken sind einige der Schlüsselfaktoren, die zum Wachstum des dezentralen Identitätsmarkts beitragen.

Das Prinzip ist hier ähnlich wie bei Bitcoin & Co.: Durch dezentralisierte Systeme können zentrale Schwachstellen (Single Point of Failure) ausgeschlossen werden – durch Dezentralisierung kann man digitale Identitäten schützen. Auch die Problematik teilen sich dezentrale Identitätssysteme mit Kryptowährungen. Demnach hindere eine unklare rechtliche Lage sowie ein Mangel an Interoperabilität die Systeme daran, sich durchzusetzen.

Hier sieht der Report eine Chance für die Blockchain-Technologie:

[…] die Integration der Blockchain in einem dezentralisierten Identitätsmodell in Verbindung mit dem steigenden Bedarf für Smart-Contract-Lösungen sind eine der großen Möglichkeiten für den globalen dezentralisierten Identitätsmarkt.

Bisher dominiere Europa diesen zukunftsweisenden Markt, dicht gefolgt von Nordamerika. Zur Analyse befragte BIS Research insgesamt 100 Unternehmen und untersuchte mehr als 500 Player am Markt. Den gesamten Report findet man hier.