„Bitcoin gewinnt, wenn alle anderen Währung scheitern“, schreibt Bitcoin Influencer ObiWan Kenobit in seinem vielzitierten Medium-Artikel „Hyperbitcoinization: Winner Takes All“. Der Begriff existiert allerdings bereits seit dem 29. März 2014. Damals beschäftigte sich Nakamoto-Institut-Autor Daniel Krawisz mit dem Phänomen der vollständigen Verdrängung von Fiatgeld durch die Kryptowährung Nr. 1.

Unter Hyperbitcoinization versteht man seitdem sowohl einen Zustand als auch einen Prozess, der auf diesen Zustand hinwirkt: Bitcoin als dominante Weltwährung.

Typischerweise unterscheidet man zwischen verschiedenen Stadien dieses Prozesses. Während Bitcoin sich dieser Tage noch in einer Frühphase befindet, geht es nach Ansicht von Autoren wie Krawisz und Kenobit ab einem bestimmten Punkt ganz schnell. Dann, so heißt es, sind Opportunitätskosten der BTC-Adaption geringer als dessen Ablehnung. Man spricht vom sogenannten Tipping Point. Wann der kommt, weiß freilich niemand so recht.

Futter für diese Art der Argumentation liefert die retrospektive Betrachtung der Verbreitung exponentieller Technologien wie dem Internet, Telefon und Computer.

Krawisz definierte Hyperbitcoinization seinerzeit als „einen freiwilligen Übergang von einer unterlegenen zu einer überlegenen Währung“ – und blieb damit dem Geiste des digitalen Goldes treu. Schließlich zeichnet Bitcoin genau diese Freiwilligkeit der Teilnahme aus. Niemand ist gezwungen, BTC zu nutzen, aber jeder, der will, darf auch.

Die Argumentation der Maximalisten geht etwa wie folgt: Monopolisten mit einem Machtüberhang wie im Zentralbanksystem gibt es bei BTC nicht; vielmehr hat jeder die gleichen Teilhaberechte und so ist der Übergang von einem Fiat- zu einem Bitcoin-System grunddemokratisch.

Wenn Bitcoin gewinnt, Hyperbitcoinization also eines Tages Realität ist, dann allein deshalb, weil das digitale Gold die bessere Währung ist. Kenobit spricht daher auch von einem „organischen und sich selbst organisierenden Prozess.“

Hyperbitcoinization: Ein realistisches Szenario?

Klar, wer in Bitcoin investiert hat, würde Orange Coin gerne die astronomische Summe von 100 Millionen US-Dollar je BTC (die Kenobit-Schätzung) notieren sehen. Doch zu diesem frühen Stadium sollte man mit derartig exorbitanten Kursprognosen Vorsicht walten lassen.

Die Argumente der Maximalisten klingen zwar plausibel. Man kann aber nicht davon ausgehen, dass die Verdrängung staatlichen Geldes durch Magic Internet Money ohne Reibungsverluste vonstatten geht. Schließlich ist das Geldmonopol für Regierungen eine der wichtigsten Quellen zur Staatsfinanzierung – Gesetze und Steuern bieten entsprechend einen gewissen Schutz gegen die Demonetarisierung von Fiatgeld.

Und hier wird es spannend: Satoshi Nakamoto hat Bitcoin aus diesem Grund auf genau diesen Use Case optimiert. Maximalisten schreiben der Dezentralisierung von BTC deshalb eine so große Bedeutung zu, da staatliche Attacken als der relevanteste Angriffsvektor gegen Bitcoin überhaupt gelten. Bitcoins Resilienz gegen koordinierte Angriffe und Verbotsbestrebungen von staatlicher Seite muss unbedingt bestmöglich sein. Andernfalls würde das Experiment scheitern, bevor es überhaupt richtig angefangen hat.

In der Geschichte des digitalen Goldes hat es bisher keinen ernstzunehmenden staatlichen Angriff auf die Systemintegrität gegeben. Das zeigt, in welch früher Phase sich BTC befindet.

Besser ist es. Schließlich hat Orange Coin so mehr Zeit, eine widerstandsfähige Infrastruktur aufzubauen. Wer weiß, vielleicht ist die Kryptowährung Nr. 1 tatsächlich diese „listige Art und Weise“ von der der Ökonom Hayek sprach, mit der wir Staaten das Geldmonopol entreißen können, ohne dass sie es mitbekommen.