Die Pläne des Social-Media-Konzerns Facebook, mit Libra eine globale Konzernwährung zu erschaffen, halten seit ihrem Bekanntwerden die internationalen Finanzregulatoren auf Trab. Der Grund: Mit seiner riesigen Nutzerbasis könnten Facebook und seine Partner vor allem für Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern eine Alternative zu den bestehenden Fiatwährungen liefern.

Libra soll als sogenannter Stable Coin möglichst geringen Wertschwankungen unterliegen. Das wollte die Libra Association erreichen, indem der Wert des Stable Coins an eine Reserve aus Fiatwährungen und Staatsanleihen gebildet wird.

  • 50 Prozent US-Dollar und US-amerikanische Staatsanleihen
  • 18 Prozent Euro und Euro-denominierte Staatsanleihen
  • 14 Prozent Yen und japanische Staatsanleihen
  • 11 Prozent britisches Pfund und britische Staatsanleihen
  • 7 Prozent Singapur-Dollar und Singapur-Staatsanleihen

Durch die diversifizierte Reserve sollte der Stable Coin auch vor geo- und wirtschaftspolitischen Verwerfungen gefeit sein.

Um den Kapitalerhalt zu sichern, investiert die Libra Association nur in Anleihen von stabilen Regierungen, bei denen Kreditausfälle oder starke Inflation unwahrscheinlich sind. Außerdem wurde die Reserve diversifiziert, da mehrere Regierungen anstatt nur einer ausgewählt wurden. So werden die möglichen Auswirkungen solcher Vorfälle minimiert,

heißt es beispielsweise noch im White Paper des Facebook Coins.

Libra verabschiedet sich vom Währungskorb

Offenbar war der Widerstand der Finanzregulatoren für diesen globalen Ansatz zu groß. Wie das Finanznachrichten-Portal Finance Forward unter Berufung auf „mehrere, voneinander unabhängigen Quellen“ berichtet, steht Libra vor einem Strategiewechsel.

Danach gehen Libra-Vertreter nun in Berlin und Brüssel mit dem Vorschlag hausieren, verschiedene Versionen des geplanten Stable Coins zu entwickeln. Diese sollen jeweils an eine einzige Fiatwährung gekoppelt sein.

Eine Anfrage an die Libra Association blieb zu Redaktionsschluss unbeantwortet. Sollte sich der Strategiewechsel bestätigen, könnte das den starken regulatorischen Gegenwind für das Projekt abschwächen – und damit möglicherweise den Abgang weiterer Partner verhindern. Schließlich leidet die Libra Association unter einem akuten Mitgliederschwund; neben Visa, MasterCard, PayPal und Ebay hat zuletzt Vodafone seinen Rückzug aus der Organisation bekannt gegeben. Ursprünglich sollte Libra, das früher den Arbeitstitel „GlobalCoin“ trug,  bereits 2020 an den Start gehen.