Offenbar nutzt die Staatsführung Nordkoreas unter Kim Jong-un Kryptowährungen, um internationale Sanktionen zu umgehen und Waffenprogramme zu finanzieren. Das geht aus einem aktuellen Bericht des Cybersicherheitsunternehmens Recorded Future hervor. Demnach soll das nordkoreanische Regime insbesondere die Kryptowährung Monero (XMR) verwenden.

Nordkorea entdeckt das Internet

Dem Bericht zufolge sei die Internetnutzung in Nordkorea in den letzten drei Jahren um 300 Prozent gestiegen. Dieser Anstieg sei zum einen auf den Ausbau der Netzinfrastruktur im Land zurückzuführen. Daraus ergibt sich zudem eine vermehrte Nutzung in der Bevölkerung. Merkwürdigerweise verteilen sich die Online-Aktivitäten jedoch auffällig auf reguläre Arbeitszeiten. In einem Land, das nach eigenen Angaben eine Erwerbsquote von 100 Prozent hat, erregt dieser Umstand Misstrauen.

Noch bis 2017 sei das Internet vorwiegend am Wochenende und am Feierabend genutzt worden. Die eklatante Verlagerung deute dem Bericht nach darauf hin, dass das Internet „nicht mehr nur eine Faszination oder Freizeitbeschäftigung ist, sondern zu einem entscheidenden Instrument für die nordkoreanische Führung geworden ist“. Eine Erklärung des rasanten Anstiegs liege in der Abhängigkeit des Landes von Kryptowährungen. Nordkorea nutzt demnach Kryptowährungen, um Geldkanäle unter Umgehung von Sanktionen zu erschließen.

Pjöngjang setzt auf Monero

Seit Mai 2019 sei ebenfalls ein zehnfacher Anstieg der Mining-Aktivitäten von Monero festzustellen. Die Kryptowährung bietet im Vergleich zu Bitcoin mehr Anonymität, da die Transaktionen nicht auf einer öffentlichen Blockchain sichtbar sind. Auch der Anstieg des Monero Minings deutet darauf hin, dass Nordkorea Kryptowährungen verwendet, um die Finanzierung ballistischer Waffenprogramme sicherzustellen.

Bereits im vergangenen Jahr haben Sicherheitsexperten der Vereinten Nationen geschätzt, dass Nordkorea rund zwei Milliarden US-Dollar durch Cyberkriminalität erbeutet hat. Im Zusammenhang mit diesen Vorwürfen wird auch immer wieder der Verdacht geäußert, die berüchtigte Hacker-Gruppe Lazarus stünde in Verbindung mit der nordkoreanischen Parteiführung. Lazarus soll von insgesamt fünf asiatischen Krypto-Handelsplattformen im Zeitraum zwischen Januar 2017 und September 2018 einen Gesamtbetrag von 571 Millionen US-Dollar entwendet haben.