Das FinTech Ripple hat erneut eine Milliarde XRP im aktuellen Wert von knapp 234 Millionen US-Dollar aus ihrem Treuhandkonto freigeschaltet. Zudem wurden Transaktionen im Wert von 17 Millionen US-Dollar der OTC Wallet nachverfolgt. Die Vorgänge werfen erneut die Frage auf, ob Ripple durch XRP-Verkäufe und Freischaltungen der Reserven den Kurs am Markt beeinflusst.

Ripple schaltet eine Milliarde XRP frei

Die Hälfte des gesamten XRP-Angebots befindet sich in den Händen von Ripple. Dies hat dem Unternehmen immer wieder den Vorwurf eingehandelt, durch Freischaltungen des XRP-Kontingents den Kurs indirekt zu manipulieren.

Wie Whale Alert beobachtet hat, wurden von der OTC Wallet des Unternehmens nun zweimal jeweils 500.000.000 XRP  im Gesamtwert von 226 Millionen US-Dollar am 1. März freigeschaltet.

Da Ripple monatlich XRP-Kontingente öffnet, stellt das Vorgehen zwar kein Novum dar. Ripple muss sich aber nach wie vor den Vorwurf der Intransparenz und indirekten Manipulation stellen, da Veränderungen der Umlaufmenge den XRP-Kurs am Markt beeinflussen.

Laut eines Berichts des Investment-Unternehmens Grayscale „besteht die Gefahr, dass große und/oder anhaltende periodische Verkäufe den Preis von XRP unter Druck setzen könnten“. Im direkten Vergleich mit den Krypto-Artgenossen handele es sich bei XRP außerdem um eine vergleichsweise zentralisiert konzipierte Kryptowährung. Als Indikator für die Zentralisierung listet Grayscale neben Ripples zentraler Rolle im Netzwerk und der Anfälligkeit von XRP für Marktmanipulation vor allem die Bündelung des digitalen Assets in einer geringen Anzahl von Wallets auf.

Zudem scheint auch wieder Bewegung in die OTC Wallet von Ripple gekommen zu sein. Von der Wallet, die ausschließlich für außerbörsliche institutionelle Verkäufe konzipiert ist, ließ sich im Februar eine Transaktion von 75.202.210 XRP im Wert von 17 Millionen US-Dollar an Wallets unbekannter Herkunft nachverfolgen. Der genaue Betrag, den Ripple verkauft hat, wird im kommenden Marktbericht zum ersten Quartal 2020 aufgenommen.

In einem Interview mit der Financial Times rechtfertigte Ripple CEO Brad Garlinghouse die Praktik der XRP-Verkäufe:

Wir wären nicht profitabel oder hätten keinen positiven Cashflow ohne den Verkauf von XRP.

XRP-Verkäufe eingebrochen

Der Verkauf von XRP ist im vierten Quartal 2019 drastisch eingebrochen. Konnte Ripple im ersten Quartal 2019 noch XRP im Wert von 169,42 Millionen US-Dollar verkaufen, kletterte der Verkaufswert bereits ein Quartal später auf 251,51 Millionen US-Dollar. Immerhin 66,24 Millionen US-Dollar war der Token Sale noch in Q3 wert, kurz bevor die XRP-Verkäufe in Q4 mit 13,08 Millionen US-Dollar auf einen Tiefstwert fielen. Zum Vergleich: Noch ein Jahr zuvor betrug der Wert in Q4 2018 verkaufter XRP 129,03 Millionen US-Dollar.

Ripple begründete den Einbruch mit dem Aussetzen der Programmtic Sales, also der XRP-Verkäufe an Krypto-Börsen. Die Gesamtmenge verkaufter XRP im vierten Quartal 2019 setzt sich demnach aus außerbörslichen Direktverkäufen zusammen.

Das Vorgehen von Ripple steht nicht zum ersten Mal in der Kritik. Durch die Freischaltung von XRP-Reserven drückt Ripple den Kurs am Markt. Da das Unternehmen laut Garlinghouse einen Börsengang noch in diesem Jahr plane, sollte das FinTech seine Praktik überdenken und mehr Transparenz für zukünftige Investoren schaffen.