Dass der Kurznachrichtendienst Krypto-Twitter nicht gerade ein Hort der Diplomatie ist, dürfte jedem bekannt sein, der unseren montäglichen Meinungs-ECHO folgt. Bitcoin-Maximalisten vs. Zeugen IOTAs vs. die vermeintlichen „Armeen“ von XRP und TRX  – wenn sich die Filterblasen überschneiden, knallt es häufig. Hinzu kommt, dass bei Twitter längst nicht hinter jedem Account auch eine authentische Person steht. Bots und Fake-Accounts tummeln sich auf der Plattform, um ideologische Stellvertreterkriege zu führen. Bisweilen schwappt das Drama auch aus dem Cyberspace heraus, um im Meatspace seinen letzten Akt zu nehmen. So auch im Fall von Geoff Golberg, einem Daten-Forscher, der sich unter anderem mit der XRP Army angelegt hat.

Golbergs Fehde mit der XRP-Army

Golberg steht schon seit längerem auf Kriegsfuß mit der XRP-Community. Im März 2019 verärgerte er die XRP Community – zumindest Mitglieder aus Fleisch und Blut – mit seiner Analyse, dass die XRP Army zu großen Teilen aus Bots bestehe. Daraufhin wurde Golbergs Accoount nicht nur von tausenden Twitteratis mit XRP-bezug gemeldet; auch Morddrohungen sollen bei Golberg eingetrudelt sein.

Nichtsdestotrotz setzte er seinen Feldzug gegen die vermeintliche XRP-Bot-Army unbeirrt fort – bis Twitter im Juli 2019 seinen Account gesperrt hat. Er habe mehrfach gegen die Leitlinien der Plattform verstoßen und missbräuchliches Verhalten an den Tag gelegt. Kommentare wie „Dein Account wird bald gesperrt, Idiot” und „verfickter Idiot“ hätten Twitter laut Golberg dazu veranlasst, seinen Account permanent zu sperren. Nachdem Golberg das Unternehmen des bekennenden Bitcoin Bullen Jack Dorsey erfolglos um eine Revision der Entscheidung gebeten hatte, versucht der Daten-Forscher nun auf dem Rechtsweg sein Glück.

Twitter soll zahlen

Am 2. März 2020 ging beim New Yorker Supreme Court die Beschwerde Golbergs ein. In der Einleitung geriert sich Golberg als Kämpfer gegen das Establishment der Silicon-Valley-Firmen:

Dieser Rechtsstreit betrifft die Macht der Giganten des Silicon Valley, die Rechte der Verbraucher mit Füßen zu treten. Er hinterfragt, ob die Grundprinzipien des New Yorker Vertragsrechts und die gesetzlichen Verbote unlauterer und betrügerischer Praktiken gegenüber Verbrauchern für Milliarden-Dollar-Social-Media-Plattformen wie für jedes andere Unternehmen gelten,

Die laut Golberg „willkürliche“ Suspendierung seines Accounts habe wirtschaftliche Schäden zur Folge gehabt, für die Twitter nun aufkommen soll. Er argumentiert, dass Twitter durch seine Verbannung gegen geltendes New Yorker Vertragsrecht verstoßen habe.

Seine Wortwahl, so Golbergs Anwälte, möge bisweilen harsch ausgefallen sein, allerdings habe er die entsprechenden Tweets an einen Account gerichtet, der an einer konzertierten Kampagne gegen Golberg mitgewirkt und damit gegen die Nutzungsbedingungen der Plattform verstoßen habe. Davon abgesehen bewegte sich Golbergs Entgleisung noch im Rahmen des auf Twitter üblichen Umgangstons:

Kurz gesagt, Herr Golbergs Account wurde wegen eines Verhaltens gekündigt, das nach Feststellung von Twitter selbst nicht missbräuchlich oder anstößig und das tatsächlich jeden Tag auf
der Plattform zu beobachten ist,

argumentieren Golbergs Anwälte in der Beschwerde.

Der Daten-Aktivist fordert von Twitter neben nun die Zahlung von 25.000 bis 50.000 US-Dollar – und die Wiederherstellung seines Accounts, sodass er seinen Feldzug gegen konzertierte Social-Media-Kampagnen fortsetzen kann.