Es liegt in der Natur der Sache, dass es dem Krypto-Ökosystem an Aufsichtsbehörden mangelt. Aber zum Glück gibt es findige Analysten, die ein wachsames Auge auf verdächtige Transaktionen werfen. So ließ sich eine auffällige Aktivität alter Plus Token Wallets nachverfolgen, deren Spuren sich nun bei Mixern verwischen.

Plus Token – Ein Scam aus dem Bilderbuch

Das Muster, mit dem Plus Token Anlegern das Geld aus der Tasche zog, ist altbekannt und entstammt dem kleinen Einmaleins der Betrugsmaschen. So wurden Anlegern traumhafte Renditen zwischen 6 und 18 Prozent monatlich versprochen, die als Erträge auf die Wallets der Nutzer übertragen und anschließend über ein Trading-Bot-System gewinnbringend am Markt gehandelt werden sollten. Wie es sich für ein waschechtes Pyramidensystem gehört, sollte auch das Anwerben neuer Kunden in Form von versprochenen Kommissionen nicht unbelohnt bleiben.

So weit die Theorie. Was folgte, entspricht ebenfalls dem bewährten Schema. Aufgrund vermeintlicher DDoS-Attacken und vorgehaltener Serverprobleme konnten die Nutzer im Juni vergangenen Jahres plötzlich keine Auszahlungen mehr vornehmen. Schätzungsweise drei Milliarden US-Dollar sollen die Betreiber der Plattform so abgezogen und auf eigene Wallets manövriert haben. Die chinesischen Behörden konnten zwar einen Teil der Drahtzieher festnehmen. Von den verbliebenen Hintermännern fehlte aber jede Spur.

Die Spur führt zu Mixern

Nachdem es zwischenzeitlich ruhig um die Causa geworden war, zeigen die Plus Token Wallets nun auffällige Bewegungen. Der Analyst „Ergo“ hat die digitalen Briefbörsen verfolgt und festgestellt, dass 13.000 der mutmaßlich ergaunerten Bitcoin in Mixer-Plattformen gestrandet sind:

Im Mixer erfolgt die Vermischung von BTC-Einheiten aus unterschiedlichen Wallets. Das erschwert die Verfolgung von Geldströmen auf der Blockchain deutlich. Strafverfolgungsbehörden ist Bitcoin Mixing deshalb naturgemäß ein Dorn im Auge.

Die Aktion der Plus-Token-Drahtzieher legt jedenfalls den Schluss nahe, dass die Betreiber der Plus Token Wallets die Bitcoin durch den virtuellen Fleischwolf gedreht haben, um weitere Verkäufe vorzubereiten. Der Verkauf dieser Menge Bitcoin, die gegenwärtig knapp 100 Millionen US-Dollar wert ist, könnte sich negativ auf die Preisstabilität auswirken. Im Falle eines Dumps könnten die Betreiber zudem mit Short-Positionen von fallenden Kursen profitieren. Der Abverkauf würde sich also in doppelter Hinsicht für die Akteure lohnen.