Der Corona-Crash war nicht nur menschengemacht, seine Eskalation war auch Ergebnis eines Kampfes der Trading Bots. Das und mehr verrät Andreas Lipkow, Marktstratege bei comdirect, im Interview mit Jan Heinrich Meyer von der Dash Embassy D-A-CH.

Bei Andreas Lipkow, Marktstratege bei der Direktbank comdirect, verursacht der Corona-Crash keine Panik. Im Interview mit Jan Heinrich Meyer von der Dash Embassy D-A-CH, der wie Lipkow dem Arbeitskreis Blockchain des Digitalverbands Bitkom angehört, wiegelt der Finanzexperte ab:

Wenn du schon so lange wie ich an den Börsen agierst (seit 1995) – da hat man schon einiges mitgemacht. […] 2001 [war] das Platzen der Dotcom-Blase – 2007/2008 gab es dann die Finanzkrise…

Was die aktuelle Krise und den Corona-Crash an Krypto- und traditionellen Märkten jedoch deutlich von den vorangegangenen Markteinbrüchen unterscheide, sei unter anderem die Geschwindigkeit, in der sie sich ausbreite:

Man muss aber unterscheiden: Wir haben hier einen Beschleunigungsfaktor drin, der seinesgleichen sucht. Wir haben in kürzester Zeit sehr, sehr viel an Kursboden verloren.

Kampf der Trading-Algorithmen

Die extremen Kurseinbrüche und Turbulenzen an den (Bitcoin-)Börsen sieht der comdirect-Experte auch in dem verbreiteten Einsatz von automatisierter Trading-Software begründet.

Es gibt eine Vielzahl von künstlichen Handelsprogrammen oder von Algorithmen, die trendorientiert sind. Das heißt, die schauen, wie der momentane Trend an den Börsen ist. Und wenn er abwärtsgerichtet ist, dann wird verkauft. Wenn es andersherum ist, der Trend also aufwärts gerichtet ist, dann kaufen diese Programme. Und sie kaufen so lange, wie dieser Trend Gültigkeit hat.

Die Folge sei ein regelrechter „Kampf der Handelssysteme“, der für die derzeit hohe Volatilität der Märkte verantwortlich sei.

Da ist dann wirklich, wenn man so will, ein Kampf zwischen den einzelnen Handelssystemen, die der Meinung sind, der Trend ist immer noch intakt, das heißt, es wird immer noch verkauft; dann kommen andere Programme rein, die Anzeichen sehen, dass der Trend doch schon durchbrochen wurde, und kaufen wiederum. Dadurch kommen diese hohen Schwankungen zustande.

Die institutionellen Investoren würden das Geschehen indes vom Spielfeldrand aus beobachten, meint Lipkow weiter. Die „gr0ßen Fische“ hätten ihre Schäfchen ins Trockene gebracht und warten nun, bis die Wogen sich glätten, so Lipkow:

Sei greifen nicht ins fallende Messer, sondern warten, bis hier eine Beruhigung stattfindet und greifen dann erst zu,

schätzt Lipkow, der vor seiner Zeit bei comdirect lange Jahre im Bereich des institutionellen Aktienhandels aktiv war.

Bitcoin: Nach Corona-Crash noch ein sicherer Hafen?

Von Meyer gefragt, wie es sich mit dem Save-Haven-Narrativ verhalte, relativiert Lipkow:

Es ist schon so, dass Bitcoin angefangen hat, die Funktion eines sicheren Hafens wie Gold einzunehmen. Das heißt, die Korrelationen, die man zwischen der Preisentwicklung in Bitcoin und dem Edelmetall Gold gesehen hat, kann man nicht von der Hand weisen.

So haben sich zu Beginn der Corona-Krise in China sowohl der Gold– als auch der Bitcoin-Kurs noch über Zuwächse freuen können. Der Kurseinbruch an den Rohstoff-Märkten und die damit verbundenen hastigen Gewinnmitnahmen habe jedoch auch die Abverkäufe bei Gold und Bitcoin getriggert. Dass die Märkte von Bitcoin und Gold vergleichsweise klein sind, tue sein Übriges dazu.

An den Rohstoff-Märkten haben einige mächtig den Hintern voll bekommen. Demzufolge hat man dann eben Gewinne bei den Rohstoffen mitgenommen und in der Folge auch bei den Kryptowährungen. Das führte wirklich dazu, dass dann dieser erdrutschartige Verkauf einsetzte. Dadurch, dass die Märkte relativ klein sind, findet man natürlich wenig Käufer, die bereit sind, zu sagen: Hey, Bitcoin hat zehn Prozent verloren, ich kaufe jetzt.

Dabei lässt Lipkow durchscheinen, dass bei Anlegern angesichts des Corona-Crashs die Ratio momentan eher die zweite Geige spielt.

Was passiert? Investoren werden in den Aktienmärkten betroffen, verkaufen ihre Positionen. Dann passiert das, was ein Mensch eigentlich macht. Er guckt halt: Wo habe ich noch Gewinn? Und das war in diesem Fall Gold. […] Es ist natürlich eine Panikreaktion. Privatanleger, Kleinanleger gucken rein, sehen: Oh Mist, Bitcoin oder Gold haben fünf, vier, drei Prozent verloren, verkaufen dann auch; versuchen dann mitzunehmen, was noch mitzunehmen geht. Das führt dann aufgrund der fehlenden Nachfrage dazu, dass solche Asset-Klassen mächtig unter die Räder kommen,

so Lipkow weiter. Zum ganzen Gespräch geht es hier.

 
Source: BTC-ECHO

Der Beitrag „Algorithmen bestimmen maßgeblich den Ton“ erschien zuerst auf BTC-ECHO.