Coronavirus und die internationale Lage

Seit Ausbruch der Corona-Krise zeichnen stetig aktualiserte Fallzahlen ein immer drastischeres Krisenszenario. Zwar stehen wir nach wie vor am Anfang einer Pandemie, die die Wirtschaft und das soziale Leben noch lange auf eine Bewährungsprobe stellt. Aber die minimal rückläufigen Infektionszahlen in Italien und Deutschland lassen hoffen, dass die getroffenen Maßnahmen allmählich Wirkung zeigen.

  • Kontakt- statt Ausgangsverbot

Bund und Länder haben sich auf ein bundesweit geltendes Kontaktverbot geeinigt. Maximal zwei Personen beziehungsweise Angehörigen des eigenen Hausstands ist es ab sofort erlaubt, in der Öffentlichkeit zusammenkommen. Damit haben sich Regierung und Landesvertreter gegen ein  Ausgangsverbot entschieden. Dementsprechend uneingeschränkt bleibt auch zunächst die Bewegungsfreiheit der Bürger, bei Einhaltung der Abstandsregeln von 1,50 Metern. Die Regelungen gelten zunächst zwei Wochen. Dann ließe sich bewerten, ob die Maßnahmen gewirkt haben oder eine Verlängerung erfordern.

Um die nicht abzusehenden Folgen der Corona-Krise auf die Wirtschaft und den Sozialstaat abzufedern, hat die Regierung weitere Hilfsmaßnahmen für kleine und mittelständische Betriebe angekündigt. Die direkten Zuschüsse in Höhe von 50 Milliarden Euro sollen schnellstmöglich an die Unternehmen fließen, um laufende Kosten decken zu können. Zudem soll auch über einen Stabilisierungsfonds Liquidität in Großunternehmen gepumpt werden. Weitere Regelungen zum Kündigungsschutz und zur Kurzarbeit sollen Unternehmen ebenfalls dabei unterstützen, die Krisenzeit zu bewältigen.

Das Krisenpaket steht am Mittwoch im Bundestag und am Freitag im Bundesrat zur Abstimmung. Es ist davon auszugehen, dass das Hilfsprogramm im Eilverfahren durchgewunken wird. Zur Finanzierung der Maßnahmen wird die Schuldenbremse außer Kraft gesetzt und ein Nachtragshaushalt im Volumen von 156 Milliarden Euro aufgelegt.

  • Grundrechte in der Grauzone 

Die Krise führt zu einer nie dagewesenen Geschlossenheit und Einigkeit über Parteigrenzen hinweg. Maßnahmen wie das Kontaktverbot und die Regelung zur Kurzarbeit sind umweglos veranlasst worden. Im Kampf gegen das Virus ist jedes Mittel recht und so erfordert die einmalige Situation auch Maßnahmen, die die Grundrechte der Bürger auf Dauer aushebeln könnten.

Dass das RKI nun Handydaten, wenn auch in anonymisierter Form, auswertet, um die Ausbreitung des Virus zu analysieren, scheint zwar in Anbetracht der Dringlichkeit angemessen. Damit einher geht aber auch eine Gefährdung von Persönlichkeitsrechten und es ist fraglich, wie lange diese Auswertung greift und bei wem und zu welchem Zweck die Daten weiterhin Verwendung finden.

Auch Prof. Dr.-Ing. Katarina Adam von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) sieht darin eine Gefahr und teilt gegenüber BTC-ECHO mit:

Es mag sich in Deutschland vielleicht als Trend abzeichnen, dass Bürger ihre Grundrechte auf Freiheit und Privatheit zur Bekämpfung der Krise freiwillig einschränken. Ich persönlich würde dies nur zeitweise akzeptieren. Dies sollte bei allem Respekt vor Heftigkeit dieser Krise nicht zum Anlass genommen werden, um diese Grundrechte auszuhebeln und auf dem Rücken der Krise einen Überwachungsstaat etablieren, den George Orwell sich besser kaum hätte ausdenken können. Glaubt irgend jemand, dass wenn der Coronavirus eines Tages überwunden sein wird, dass die bis dahin eingeführten Überwachungsmaßnahmen alles und sofort zurückgedreht werden?

Nervosität an den traditionellen Märkten

Der Corona-Crash hat die Börsen schwer getroffen. Binnen einen Monats hat der DAX 35 Prozent eingebüßt und leckt nach wie vor die Wunden. Zwar konnte der deutsche Leitindex mit einem Gewinn von 3,7 Prozent am Freitag schließen und somit auf 8.928,95 Zähler zum Wochenende aufholen. Zu Beginn des neuen Handelstags verliert der DAX aber 414,81 Punkte und fällt um 4,65 Prozent auf 8.514,14 Punkte.

Auch die US-amerikanischen Indizes befinden sich in einem Schwebezustand. Der Leitindex Dow Jones fiel im Verlauf um 4,6 Prozent und beendete den Handelstag bei 19.173 Punkten. Der marktbreite S&P 500 verlor 4,3 Prozent und sackte auf 2.304 Zähler ein. Im Wochenvergleich verlor der Dow Jones somit mehr als 17 Prozent ein, während der S&P um knapp 15 Prozent einbrach. Vor allem die drohenden Ausgangssperren in den USA könnten aber in den nächsten Tagen zu weiteren Verlusten führen. So leitet sich erneut eine schwierige Woche für die Börsen ein. Der Dow Jones rutscht um 4,27 Prozent auf 18.354,90Punkte, während der S&P 500 zu Beginn des Handelsverlaufs 71,82Punkte verliert und damit auf 2.233,10 Zähler fällt.

Der Gold-Kurs begann den Tag mit demselben Kurs wie in der Vorwoche, ist jedoch seitdem um 0,1 Prozent gefallen. Eine Feinunze liegt aktuell bei 1.488,60 US-Dollar.

Krypto-Markt: Ruhe vor dem Sturm bei Bitcoin und Co.?

Die Corona-Panik hat Anleger weltweit ihre Risiko-Positionen auflösen lassen und so wurde der gesamte Krypto-Markt von einer Welle von Abverkäufen zu Boden gerissen. Die Pandemie hängt noch immer wie ein Damoklesschwert über den gesamten Markt. Dennoch macht sich eine leichte Erholung in den letzten Tagen bemerkbar. Nach seinem Crash auf knapp 4.600 US-Dollar umkurvt der Bitcoin-Kurs beständig die 6.000 US-Dollar-Marke und ist nach wie vor auf Bodensuche. Aktuell notiert die größte Kryptowährung nach Marktkapitalisierung bei 5.918 US-Dollar.

Auch Ethereum und IOTA bewegen sich im 7-Tages-Vergleich leicht im Plus, während der Kurs des Ripple-Coins XRP sich seither kaum von der Stelle bewegt hat. Obwohl die erste Panikwelle abgeflacht ist, kann – analog zum wellenhaften Verlauf der Pandemie – ein erneuter Sog von Abverkäufen den Markt jederzeit wieder nach unten reißen. Ob sich der Krypto-Markt auf längere Sicht stabilisiert, hängt entscheidend von der weiteren Krisenentwicklung ab.

Der kurrzeitige Kollaps des Krypto-Markts hat eine interessante Korrelation sichtbar gemacht. Nahezu parallel zum Einbruch der klassischen Finanzmärkte ist auch der Krypto-Markt ins Straucheln geraten. Den Marktanalytikern von Santiment nach sei die Korrelation der marktdominierenden Kryptowährung Bitcoin und dem US-amerikanischen Index S&p 500 auf einem 2-Jahres-Hoch.

Dem Bericht zufolge war eine hohe Korrelation zwischen Bitcoin und dem S&P 500 in der Vergangenheit immer Vorbote einer Abwärtsbewegung am Krypto-Markt. Und auch beim Corona-Crash sind die Märkte nahezu zeitgleich zusammengebrochen. In der jetzigen Situation liegt jedoch auch die Chance, dass sich der Kyrpto-Markt von den noch lange blutenden traditionellen Märkten langfristig abkoppeln könnte.

Technische Analyse des Bitcoin-Kurs

Die technische Analyse zum Bitcoin-Kurs von Chief Analyst Dr. Philipp Giese.
Leider konnte der Bitcoin-Kurs sich nicht über 6.000 US-Dollar halten und sank am Sonntag wieder leicht unter diese psychologische Grenze. Mit diesem leichten Kursabsinken wurde die ehemalige Resistance des zuvor durchlaufenen Triangle Patterns getestet. Trotz dieser eher ernüchternden Entwicklungen ist die Gesamtsituation eher bullish. Sowohl der MACD als auch der RSI steigen wieder. Lediglich der Aroon-Indikator liefert ein lediglich neutrales Ergebnis.

  • Long Position: Entry bei 6.204,23 US-Dollar, Targets bei 7.220,24 US-Dollar und 7.956,29 US-Dollar, Stop Loss bei 5.569,90 US-Dollar.
  • Short-Position: Entry bei Fall unter 5.014,81 US-Dollar, Target bei 3.856,77 US-Dollar, Stop Loss bei 5.569,90 US-Dollar.

Tages- und Stundenchart auf Basis des Wertepaares BTC/USD auf der Börse Bitstamp erstellt.

Wie schon erwähnt kam es zu Tests der ehemaligen Resistance des durchlaufenen Triangle Patterns. Die Situation ist kurzfristig eher bullish einzuschätzen. Wie in der letzten Woche orientieren wir uns bei den kurzfristigen Handelsempfehlungen am Fibonacci-Retracement und kommen zu denselben Ergebnissen:

  • Long Position: Entry bei 6.466,75 US-Dollar, erstes Target bei 7.128,08 US-Dollar, Stop Loss bei 6.002,25 US-Dollar.
  • Short Position: Entry bei Fall unter 5.537,74 US-Dollar, Target bei 4.963,02 US-Dollar, Stop Loss bei 6.002,25 US-Dollar.

Aus gegebenem Anlass

BTC-ECHO Chief Analyst Dr. Philipp Giese hat eine Home-Office-Web-App geschrieben, die die Fallzahlen des Coronavirus erfasst. Mit der App kann die historische Entwicklung der Verbreitung einzelner Länder betrachtet werden. Wer sich also über die aktuelle Entwicklung auf dem Laufenden halten will, sollte auf der App vorbeischauen.

Die auf dieser Seite dargestellten Kursschätzungen stellen keine Kauf- beziehungsweise Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind lediglich eine Einschätzung des Analysten.

Charts am 23.03.2020 mithilfe von TradingView erstellt

USD/EUR-Kurs zum Redaktionsschluss: 0,93 Euro.