Je mehr das Corona-Virus das gesellschaftliche Zusammenleben auseinanderreißt, umso mehr setzt es ein Gefühl von Solidarität frei: Die Welt rückt zusammen. So fanden sich unter dem Motto #WirvsVirus am vergangenen Samstag und Sonntag insgesamt 42.000 Teilnehmer zu einem Online-Hackathon zusammen, um nach Softwarelösungen für die Corona-Krise zu suchen.

#WirvsVirus: Hackathon nach estnischem Vorbild

Ins Leben gerufen haben die Aktion sieben soziale Initiativen:

  • Tech4Germany
  • Prototype Fund
  • Code for Germany
  • Initiative21
  • ImpactHub Berlin
  • Project Together
  • SEND

Gestützt wurde die Aktion indes von der deutschen Bundesregierung. Laut offiziellen Zahlen fand das Modell nach estnischem Vorbild großen Anklang. Demnach gab es bei #WirvsVirus 42968 Teilnehmer*Innen, 1924 Ideengeber*Innen und 2922 Mentor*Innen. Die Idee kam vergangenen Montag, die Zustimmung der Bundesregierung war dann am Mittwoch schon da. Danach explodierten die Teilnehmerzahlen, ein überlastetes Chat-Programm und fassungslos begeisterte Initiatoren waren das Ergebnis. In seinem Fazit spricht Helge Braun, Schirmherr von#WirvsVirus und Chef des Bundeskanzleramtes, vom größten Hackathon der Welt:

Ich bedanke mich bei allen Teilnehmern und muss sagen: Ich bin sehr beeindruckt. Das war offenkundig der größte Hackathon, der jemals weltweit durchgeführt wurde. Über 40.000 Teilnehmer haben sich bereit erklärt, aus dem In- und Ausland Ideen einzubringen und Maßnahmen gegen den Virus zu ergreifen. Unser Land und die ganze Welt ist in einer ernsten Lage. Und dass dann so viele freiwillig mithelfen, Dinge zu tun, die die Bundesregierung alleine nie geschafft hätte, das ist wirklich toll.

Diggi: Der dezentrale Euro als blockchainbasiertes Krisengeld

Mit dabei war unter anderem der Blockchain Bundesverband, mit dem BTC-ECHO jüngst eine Umfrage zum aktuellen Stand deutscher Blockchain-Unternehmen durchgeführt hat. Der Branchenverband der deutschen Blockchain-Szene entwickelte den Grundriss für ein Tokenprojekt zur Ausgabe von digitalen Gutscheinen. Als dezentraler gemeinschaftlicher Euro soll der dgE (ausgesprochen: „Diggi“) negative Folgen der Corona-Krise für die Wirtschaft abwenden.

Von der Corona-Krise besonders betroffene Wirtschaftszweige sollen laut dem Grundriss, der BTC-ECHO vorliegt, mit Konsum-Gutscheinen unterstützt werden. Für Transparenz und Nachvollziehbarkeit sorgt die Blockchain – so kann man die Echtheit der Konsumgutscheine nachverfolgen und verifizieren.

Um den Handel zu fördern und die Wirtschaft anzukurbeln, sollen die Token außerdem nach einer gewissen Zeit ihren Wert verlieren. Zu den zu fördernden Wirtschaftszweigen gehören etwa Gastgewerbe, Tourismus, Freischaffende, Veranstaltungsgewerbe und ähnliche von der Corona-Krise betroffene Wirtschaftsfelder.

Marcus Ewald, Politischer Beirat des Bundesblocks betont gegenüber BTC-ECHO das große Potential des digitalen Euros:

Der dgE rettet Existenzen und erhält lokale Strukturen. Denn der dezentrale gemeinschaftliche Euro macht, was die Politik ihm aufträgt. Für breiten Konsum in e-Wallets für alle, aber räumlich und zeitlich präzise steuerbar: Smarte Hilfspakete, die den Weg alleine finden. Marktwirtschaftlich effizient und pandemiesicher ist er oben drein.

Damit entwirft der Bundesblock eine zielgerichtetere Ergänzung zum Helikoptergeld. Während letzteres pauschal an alle Bürger verteilt werden soll, sollen mit dem unter dem Arbeitstitel „Diggi“ laufenden Token-Projekt gezielte Konsumanreize gesetzt werden. Der Staat würde damit ein Mittel an die Hand bekommen, um die Wirtschaft gezielt anzukurbeln und die regionale Wirtschaft zu fördern. Dementsprechend soll die Einlösung der Konsumgutscheine auch auf die jeweilige Postleitzahl der Bürger beschränkt sein. Technisch soll das ganze auf einer (öffentlichen) Ethereum Sidechain stattfinden. Der Gesamtbestand an verfügbaren Token wird über einen Smart Contract getrackt.

Jeder Bürger mit einer SteuerID bekäme dann vom Finanzamt einen Zugang zu einer Wallet, auf der die Konsumgutscheine lagern.

#WirvsVirus: Wie es weiter geht

Nun geht es darum, die entwickelten Lösungen „auf die Straße“ zu bringen, so die Initiatoren des Hackathons. Die Initiatoren versuchen also, einen dezentralen Lösungsprozess anzustoßen und die Ergebnisse zu sichten.