Der Zentralbankpräsident von Brasilien setzte 2022 als möglichen Startpunkt einer digitalen Brasilianischen Zentralbankwährung (CBDC) fest.

Roberto Campos Neto ist höchst ambitioniert. Erst im August dieses Jahres gab die Zentralbank von Brasilien bekannt, dass eine digitale Währung (CBDC) herausgeben wolle. Als möglichen Starttermin setzte ihr Präsident nun 2022 fest. Das ebenfalls auf Blockchain basierende Transaktionssystem werde wie geplant ab November online gehen: Abwicklungen über das sogenannte System PIX sollen instantan und interoperabel sein, darüber hinaus quasi kostenlos und somit sehr effizient.

In einem Bloomberg-Interview mit Erik Schatzker am 2. September äußerte sich der Zentralbankpräsident zu den Plänen. Eine digitale Zentralbankwährung (CBDC) sei die logische Konsequenz aus den Entwicklungen der vergangenen Jahre, erklärte Campos Neto. Im Jahre 2019 nahm er seine jetzige Position ein, woraufhin er die BC#-Agenda der Banco Central do Brasil initiierte. Das Programm soll die finanzielle Demokratisierung Brasiliens fördern. Es folgte auf die Agenda BC+ und hat sich eine Steigerung von Transparenz, Wettbewerb, Inklusion und Weiterbildung zur Aufgabe gemacht.

BC#-Agenda soll Brasiliens Finanzsystem helfen

Der Inklusionsaspekt der BC#-Agenda soll es besonders Privatleuten ermöglichen, am Kreditmarkt zu partizipieren. Die Bank will das Finanzsystem vereinfachen und die Notwendigkeit für Regierungseingriffe verringern. Die Punkte Transparenz und Weiterbildung nannte der Zentralbankpräsident zwar nicht konkret, doch sollen sie ebenfalls den Zugang zu Informationen erleichtern. Die Bank will das Finanzsystem in Brasilien mit diesen Leitlinien erneuern.

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Campos Neto beschreibt eine „glaubwürdige, konvertierbare und internationale“ Währung als eine charakteristisches Merkmal für eine CBDC. Zusammen mit dem geplanten PIX-Transaktionssystem werde das Land dann bereit für eine digitale Zentralbankwährung sein. Ob der Startschuss für die brasilianische CBDC tatsächlich bereits im Jahr 2022 fallen wird, bleibt jedoch offen. Dass zumindest die Zentralbank in zwei Jahren CBDC-ready sein wird, ist sich der 51-Jährige Notenbank-Chef sicher. Somit liegt es wohl an der Politik, den Weg dafür zu ebnen.

CBDC in aller Welt

Brasilien ist nicht das einzige Land, das eine digitale Währung plant: China möchte seinen E-Yuan noch vor den Olympischen Winterspielen im Februar 2022 als Zahlungsmittel zugänglich machen. Die Bank of Thailand startete ebenfalls bereits Testläufe mit größeren Unternehmen, in denen sie Zahlungen mit CBDC tätigt. Die Bank of Canada ist ebenso an einem weiteren Schritt in Richtung Digitalisierung der Finanzwelt interessiert. Weltweit forschen 80 Prozent der Zentralbanken zu von ihnen herausgegebenen Digitalwährungen. 40 Prozent haben bereits Projekte gestartet, mit denen sie die Herausgabe noch weiter untersuchen.