Die Entwicklung einer CBDC (Central Bank Digital Currency) ist auch für die US-Notenbank Fed ein großes Thema, nicht erst seit COVID-19. Nun gibt es ein neues Grundsatzpapier aus Cleveland.

Schon länger wird über die Pläne der US-Notenbank Federal Reserve hinsichtlich einer digitalen Währung spekuliert. Angesichts Bestrebungen anderer Zentralbanken, insbesondere in China, sieht man sich offenbar etwas unter Zugzwang. Schon im Oktober will die Zentralbank des Inselstaates Bahamas mit der weltweit ersten CBDC an den Start gehen. Nun hat Loretta Mester, Präsident und CEO der Federal Reserve Bank of Cleveland, verlauten lassen, wie die Pläne zu einem digitalen US-Dollar aussehen. In einer Grundsatzrede vom 23. September betonte Mester, die Federal Reserve habe sich schon vor der Pandemie mit digitalen Zentralbankwährungen (Central Bank Digital Currencies, CBDC) beschäftigt. Sie fügte hinzu, dass der Gouverneursrat „eine Reihe von Distributed-Ledger-Plattformen aufgebaut und getestet hat, um deren potenzielle Vorteile und Kompromisse zu verstehen“. 

In den USA gibt es zwölf regionale Federal Reserve Banken mit insgesamt 25 Zweigstellen. Loretta Mester hat sehr wohl die Initiativen der anderen regionalen Zweigstellen der Fed zur Kenntnis genommen. Darunter eine mehrjährige Partnerschaft zwischen dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) und der Boston Fed (BTC-ECHO berichtete). Auch die Zusammenarbeit zwischen der New Yorker Zweigstelle der Fed und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich erwähnt Mester in ihrer Grundsatzrede.

Regionale Unterschiede bei Federal Reserve Banken

Der außenstehende Beobachter mag sich fragen, ob jede regionale Niederlassung ihr eigenes Süppchen kocht. Oder gibt es womöglich doch einen „Befehl von oben“, die Entwicklung einer CBDC zu forcieren? Trotz der verschiedenen erwähnten Initiativen versicherte Mester, dass es “keine Entscheidung der Federal Reserve [gibt], eine solche Währung einzuführen“. Sie fügte hinzu, dass Fragen im Zusammenhang mit „Finanzstabilität, Marktstruktur, Sicherheit, Datenschutz und Geldpolitik alle besser verstanden werden müssen“.

So fortschrittlich und positiv man die weltweiten Tendenzen der Zentralbanken zur Entwicklung digitaler Währungen in der Szene sieht, gibt es durchaus doch auch kritische Stimmen. Der Ökonom John Vas beispielsweise sieht in staatlich gestützten digitalen Währungen „eine defensive Haltung“. Er versteht den denzentralisierten Ansatz von Krypto-Assets als „Bedrohung“ für die langjährige Hegemonie der Geldpolitik der Regierungen. Mester geht in ihrem Statement zwar nicht explizit auf derart kritische Stimmen ein. Angesichts der verheerenden Folgen von COVID-19 auf die Wirtschaft in den USA spricht sie jedoch von „notwendigen Investitionen“. Anhand dieser müsse sichergestellt sein, „dass das US-Zahlungssystem angesichts extremer Stressereignisse widerstandsfähig bleibt“.