Die zweite Corona-Welle lässt wieder neue Ängste aufkommen und droht der Realwirtschaft einen schweren zweiten Schlag zu versetzen. Welche wirtschaftlichen Maßnahmen nun zu erwarten sind, warum jetzt eine neue Zinsentkopplung droht und was die Investmentstrategien von Hedgefondsmanager Ray Dalio und Twitter CEO Jack Dorsey gemein haben.

Die Gefahr einer zweiten Corona-Welle im Herbst haben bereits im Frühjahr viele Experten für hoch eingeschätzt. Nun erleben wir in den letzten Wochen ein Hochschnellen der Fallzahlen und eine Verschärfung der Maßnahmen. Auch die kälteren Temperaturen und das Beginnen der normalen Grippesaison dürften nicht dafür sorgen, dass in den nächsten ein bis zwei Wochen wieder alles gut wird. Insbesondere bei Unternehmen, die sich mit letzten Kräften über den Lockdown im Frühjahr retten konnten, stellt sich die Existenzfrage ein wiederholtes Mal. Der Tenor vieler kleinen Betriebe wie Restaurants oder der vielen Ein-Personen-Unternehmen: Noch einen Lockdown überleben wir nicht.

Was man nicht sieht, das passiert auch nicht

Nun sind diese kleinen und mittelständischen Betriebe normalerweise nicht an einer Börse gelistet. Wenn man als Investor auf eine der einschlägigen Börsenseiten geht, dann wird man keinerlei Informationen über die Bewertung dieser ausschlaggebenden Realwirtschaft finden. Stattdessen sieht man die Aktienkurse von Konzernen, die nur eine Richtung kennen: gen Norden. Selbst zyklische Aktien wie MTU Aero Engines oder Bankenaktien wie Deutsche Bank scheinen bereits alles eingepreist zu haben, sei es Reiseeinschränkungen und der damit geringere Flugverkehr oder die drohenden Kreditausfälle. Wenn sich die Corona-Maßnahmen verstärken und auf die Realwirtschaft drücken, dann wird das den Aktienkursen von DAX und Co. nicht sonderlich stark zusetzen. Sicherlich sind auch hier moderate Rücksetzer von 10 Prozent mal drin, aber viel mehr auch nicht.

Die Abkopplung von der Realwirtschaft hat an den Aktienmärkten ein neues Level erreicht. Jeder weiß, dass die Notenbanken und Staaten in den nächsten Wochen und Monaten neue Unterstützungspakte schnüren werden. Das frische Geld respektive die frischen Schulden werden mit aller Kraft in den Finanzsektor gepresst. Bereits heute ist der Finanzmarkt derartig sediert, dass die Reaktionen bei schlechten Nachrichten eher moderat ausfallen. Der Finanzmarkt und vor allem die Aktienmärkte sind für die zweite Corona-Welle – im Gegensatz zu den KMUs – also gerüstet.

Nicht jeder arbeitet bei Google und Amazon

Sollte sich Corona wie von vielen befürchtet im Herbst weiter ausbreiten und weitere Restriktionen notwendig machen, dann gibt es zwei Handlungsoptionen für den Staat. Entweder man lässt die Insolvenzen zu und wird massiv ansteigende Arbeitslosenzahlen haben oder aber man schüttet nicht nur die Finanzmärkte, sondern auch die Realwirtschaft mit Geld zu. Aus den Erfahrungen des bisherigen Jahres 2020 spricht vieles dafür, dass in den nächsten Wochen neue Direktmaßnahmen verabschiedet werden. Der Staat nimmt also Geld auf, um die Ausfälle von kleinen und mittleren Betrieben zu bezahlen.

Diese Form des staatlich koordinierten Konsum- und Überbrückungskredites, um Liquidität sicherstellen, dürfte unsere Pro Kopf Schulden von aktuell über 26.000 Euro pro Bürger sehr schnell gen über 30.000 Euro in Q1 2021 anheben. Dass der Staat in der Krise einspringt ist richtig und nachvollziehbar und soll an dieser Stelle nicht kritisiert werden. Vielmehr geht es um die wirtschaftlichen Folgen, die dieser Schuldenteufelskreislauf mit sich führt.

Dispofalle lässt grüßen

Was man im Kleinen von seinen Dispokredit kennt, wenn man über seine Verhältnisse gelebt hat, findet in ähnlicher Form auch auf der Makroebene statt. Je größer die Schulden, desto weniger Kapital steht für Investitionen und Konsum bereit. Entsprechend muss man noch härter arbeiten, um mit einem Mehr an Produktivität das Wachstum zu erzeugen, das notwendig ist, um sich aus der misslichen Lage zu befreien.

Ab einem gewissen Schuldenstand – eine oft diskutierte Grenze ist hier die 100-Prozent-Staatsverschuldung zum BIP – ist es durch Produktivität nur noch sehr schwer möglich, die Verschuldung durch Wirtschaftswachstum zu lösen. Folglich bleibt nur noch die Entschuldung durch Inflation. Ganz gleich wie oft man diese Wirtschafts-Szenarien durchgeht, kommt man am Ende immer wieder auf die gleichen „Lösungsansätze“. 

Novum: Die große Zinsentkopplung

Das bedeutet, dass die Leitzinsen, die von der Notenbank festgesetzt werden, nach oben hin gedeckelt sind respektive nicht mehr erhöht werden können. Auf der anderen Seite sind die schwer getroffenen Banken nicht in der Lage, die niedrigen Zinsen an ihre Kunden weiterzugeben. Ganz im Gegenteil: durch das höhere Ausfallrisiko der Realwirtschaft, sind die Banken gezwungen die Zinsen relativ zum Leitzins anzuheben.

Die Hausfinanzierung, der Konsumkredit oder der Investitionskredit für die neue Werkshalle werden damit eher teurer als günstiger. Diese Zinserhöhung hat allerdings nicht nur mit dem notwendigen Risikoaufschlag zu tun, sondern auch mit der Inflationserwartung der Banken selbst. Niemand möchte auf Forderungen sitzen, deren Zinseinnahmen nicht in der Lage sind, die potentielle Inflation zu kompensieren. Sowohl Kreditgeber als auch Kreditnehmer müssen daher stärker denn je vorausschauen können, ob ein Kredit, gemessen an der Inflationserwartung, der wirtschaftlichen Lage und dem Zinssatz, lohnt oder nicht. Genau diese größer gewordene Unsicherheit ist es, die Gift für die Realwirtschaft ist. Die Planungssicherheit wird für alle wirtschaftlichen Akteure in den nächsten Monaten abnehmen.

Sicherheit in unsicheren Zeiten

Eine der vielen Folgen dieser neuen ökonomischen Realität ist die Neugewichtung der Vermögens-Portfolios. Seien es inflationsgeschützte Anleihen, Immobilienfinanzierungen mit mehr Eigenkapital und letztlich eine Reduktion der Geldwerte. Gerade letzteres hat zur Konsequenz, dass immer mehr weniger privatwirtschaftlich agierende Investoren bereit sind, Forderungen, insbesondere Staatsanleihen, in ihrem Portfolio zu halten. Folglich ist es die Notenbank, die an dieser Stelle einspringen muss, um als Käufer von Forderungen aufzutreten. Daraus resultiert wiederum, dass die Markteffizienz des Marktes für Anleihen und insbesondere Staatsanleihen in die Knie geht. Wie in bereits vielen Kommentaren erläutert, verliert der Zins seine Lenkungsfunktion.

Als Investor tendiert man daher dazu, sein Portfolio an den neuen Rahmenbedingungen auszurichten und das Portfolio-Risiko neu einzustellen. Sei es Warren Buffet, der Goldman Sachs Aktien verkauft und Goldmininanteile von Barrick Gold erwirbt, oder Ray Dalio, der mit seinem bekannten Hedgefonds Bridgewaters über 400 Millionen US-Dollar im Q2 2020 in Gold investiert hat.

Was für Gold gilt, gilt auch für Bitcoin

Korrespondierend zum Gold-Trend sieht man auch ein neues Bewusstsein für Bitcoin entstehen. So hat der bekannte Twitter CEO Jack Dorsey 50 Millionen US-Dollar seiner Rücklagen vom Unternehmen Square in Bitcoin umgetauscht. Damit ist es schon der zweite bekannte Unternehmer, der öffentlichskeitswirksam dem Fiatgeld das Misstrauen aus- und Bitcoin das Vertrauen zuspricht. Zuvor hatte bereits Michael Saylor, CEO des Nasdaq-gelisteten Unternehmens MicroStrategy, bekanntgegeben, 250 Millionen US-Dollar seiner Unternehmensreserven in Bitcoin getauscht zu haben. Losgelöst von allen technischen Faktoren, dürfte genau dieses Umdenken das aktuell größte Versprechen für den Gold- und Bitcoin-Kurs sein. Die prominenten Unternehmer und Investoren dürften einige Nachahmer finden.

Insbesondere die durch Family Offices verwalteten Gelder, sprich das Vermögen der oberen 0,01 Prozent, dürfte in den nächsten Monaten immer öfter den Weg in Gold und Bitcoin finden. Auch wenn Richtungsänderungen dieser Investorenklasse einige Zeit in Anspruch nehmen, ist der Stein ins Rollen gekommen. Schließlich steht hier der Vermögenserhalt über der Vermögensvermehrung.

Wie geht es weiter?

Investoren sollten allerdings nicht den Fehler machen und glauben, dass Bitcoin und Gold bei einer heftigen Konsolidierung am Finanzmarkt unmittelbar nach oben schießen. Wie beim Märzcrash dieses Jahres dürften auch hier Gold und Bitcoin wieder mit dem gesamten Markt gen Süden fallen. Allerdings dürfte sich die Geschwindigkeit des Zyklus beschleunigen. Das Bedeutet: Die Marktreaktionen werden weniger hart als im März ausfallen und schneller von statten gehen.

Die Talfahrt dürfte bei Bitcoin und Gold daher kürzer ausfallen und die Gegenreaktion, der Rebound nach oben, schneller eintreten. Schließlich konnte sich der Markt seit dem Corona-Crash bereits auf genau diese Marktsituation und deren Risiken einstellen.

Disclaimer: Der Kommentar gibt lediglich die persönliche Meinung des Autors wieder und stellt keinerlei Investmentberatung dar.

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