Bitcoin erholt sich von seinem Abstecher unter die 30.000 USD – doch das bullishe Stock-to-Flow-Modell hängt noch immer am seidenen Faden.

Der Bitcoin-Kurs sowie weite Teile des Altcoin-Markts zeigen nach der gestrigen Korrektur wieder erste Erholungszeichen. Mit 30.770 USD konnte BTC im 24-Stunden-Vergleich 3,25 Prozent an Boden gut machen. Noch kräftiger fällt die Erholung bei den Top-Altcoins aus, die traditionell stärker auf Marktverwerfungen reagieren als das digitale Gold.


Grüne Welle am Krypto-Markt: Kurs-Entwicklungen im Tagesvergleich. Quelle: Coin360

Innerhalb der Top-50-Coins nach Marktkapitalisierung verzeichnen Compound, Polygon (MATIC), FTX Token, Solana und Dogecoin zu Redaktionsschluss die größte Erholung.

Erweitert man den Blick auf die Top-100, verbucht der RUNE-Token des zuletzt in Bedrängnis geratenen DeFi-Projekts ThorChain mit einem Plus von 27,2 Prozent den größten Kurszuwachs.

Stock-to-Flow-Modell am Scheideweg

Bitcoins Daueraufenthalt zwischen 30.000 USD und 34.000 USD hat das Stock-to-Flow-Modell (S2F) zuletzt in arge Bedrängnis gebracht. Das Modell setzt die Anzahl der bereits “geschürften” BTC (“Stock”) ins Verhältnis mit der aktuellen Produktionsrate über einen bestimmten Zeitraum (Flow). Das Stock-to-Flow-Verhältnis gibt an, wie lange es dauern würde, um mit der aktuellen Produktionsrate den bisher erschaffenen Stock zu erreichen. Je größer die Zahl, desto seltener (beziehungsweise “härter”) ist das Asset. Für Bitcoin beträgt das S2F-Verhältnis 54 Jahre.

Bevor der Krypto-Analyst PlanB S2F auf Bitcoin anwendete, fand das Modell vor allem zur Bewertung der “Knappheit” eines Rohstoffes Verwendung. Das Stock-to-Flow-Modell für Bitcoin postuliert insbesondere einen Zusammenhang zwischen dem Stock-to-Flow-Verhältnis und dem Bitcoin-Kurs. In der Rückschau hat sich S2F dabei als erstaunlich akkurat erwiesen. Doch nun steht das Modell am Scheideweg: Die Abweichung zwischen dem von S2F prognostizierten Bitcoin-Kurs und der Realität ist so groß wie noch nie.

Wie aus Daten der Blockchain-Analyse-Plattform Glassnode hervorgeht, hat die (negative) Stock-to-Flow-Abweichung den größten Wert seit Einführung der Metrik erreicht. Aktuell liegt sie unter 0,3 – ein Wert von 1 würde bedeuten, dass BTC sich genau nach dem S2F-Modell richtet. Ein Wert über 1 bedeutet dagegen einen höheren Kurs als von S2F prognostiziert.

Stock-to-Flow-Abweichung. Quelle: Glassnode Studio

PlanB hat auf Bitcoin-Erholung gewettet

Dass das Modell ein Make-or-Break-Level erreicht hat, das hat zuletzt auch sein Urheber PlanB eingeräumt. So handelte Bitcoin bereits seit Wochen am untersten Rand der Prognose – mit jedem Schritt gen Süden drohte das Modell, widerlegt zu werden. Einen Tag vor dem Abrutschen unter die 30.000 USD Marke postete PlanB einen aktualisierten Chart.

Quelle: PlanB, Rob Wolfram, coinmetrics.io. Via Twitter

PlanB kommentierte den Chart mit dem Kommentar “Bounce oder Break, das ist die Frage”. Durch den jüngsten Dip unter die 30.000er Marke hatte sich Bitcoin weiter dem “Break”-Szenario angewendet. Die Rückeroberung der “30K” hat das Stock-to-Flow-Modell wiederum im Rennen gehalten – auch wenn es noch verführt wäre, das aktuelle Tagesplus als nachhaltigen “Bounce” zu bezeichnen. Zumindest für PlanB war die Sache schon am 19. Juli klar. Auf den Hinweis eines Followers, dass S2F doch schon häufiger stärkere Abweichungen verbuchte, erwiderte er:

Meine Rede. Siehe auch März 2019, als ich das S2F-Modell auf dem Boden des Bärenmarktes erstellt hatte. Große Abweichung, aber sicherlich nicht invalidiert. Ich wette (wieder) auf einen Bounce,

so der Liebling der Bitcoin-Bullen. BTC-ECHO-Analyst Stefan Lübeck hat in seiner letzten Bitcoin-Analyse die Marke von 32.000 USD als möglichen Ausgangspunkt für weitere Kursanstiege ermittelt. Auf dem Weg dahin muss BTC indes noch zwei weitere Widerstände erobern. Der nächste liegt zu Redaktionsschluss bei 31.010 USD.