Bitcoin und die Finanzstabilität. Die Geister von Politiker:innen schieden sich weltweit erneut an dieser Frage. Dabei könnte es insbesondere in Indien für Krypto-Freunde brenzlig werden. Den Norwegern bereitet derweil das Mining Sorgen. Die vergangene Woche im Regulierungs-ECHO.

Plant Indien ein Bitcoin-Verbot?

Indiens Parlament will schon bald über ein Gesetz abstimmen, das indische Hodler in Aufruhr versetzt. Denn einer amtlichen Bekanntmachung ist zu entnehmen, dass ab dem heutigen 29. November ein möglicher Bitcoin-Bann auf der Agenda steht. Ein Gesetz, das die Entwicklung einer digitalen Zentralbankwährung befördern soll, sieht unter Umständen vor, allen “privaten Kryptowährungen” den Riegel vorzuschieben. Expert:innen streiten darüber, was genau “private Kryptowährungen” in dem Fall bedeuten. Manche glauben, damit sind nur Privacy Coins wie Monero gemeint. Andere vertreten hingegen den Ansatz, dass alle nicht-staatlichen Kryptowährungen von dem Verbot betroffen sein könnten. Während die Krypto-Handelspreise in Indien in den Keller gingen, rief Rohit Kundliwal von der Bitcoin-Börse WazirX zur Besonnenheit auf. Mehrere hochgradige Politiker:innen hätten sich in den vergangenen Wochen schließlich öffentlich gegen ein generelles Verbot gestellt. Der befürchtete Totalbann sei folglich nicht sonderlich wahrscheinlich.


Australien auf Krypto-Kurs

Aus Down Under erreichten uns in der vergangenen Woche hingegen bullische Nachrichten. Denn nicht nur eines der größten Geldhäuser des Landes bekundete ein ausgeprägtes Interesse an Bitcoin und Co.  Stattdessen gab auch die australische Senatorin Jane Hume bei einem nationalen Finanzgipfel in Sydney zu verstehen, dass digitale Assets künftig nicht von der Landkarte zu fegen sind. Sie rief ihre Landsleute dazu auf, nicht aus “Angst vor dem Unbekannten” hinter den “unglaublichen Möglichkeiten” von Kryptowährungen und DeFi-Diensten zurückzubleiben. Humes Appell galt dabei wohl insbesondere Australiens politischen Entscheidungsträger:innen. Da kam es gerade Recht, dass der Leiter der australischen Börsenaufsicht ASIC bei derselben Konferenz ebenfalls seine Einschätzung zu Kryptowährungen vortrug. Joe Longo verwies einerseits auf anhaltende regulatorische Unklarheiten. Der Börsenaufsichtler riet Investor:innen deshalb zur Besonnenheit. Gleichzeitig zeigte er sich optimistisch und betonte, dass die Diskussion über Krypto-Regulierung in Australien künftig kein Randthema bleiben wird.

Hillary Clinton warnt vor Bitcoin

Den erfreulichen Meldungen aus Australien zum Trotz hat auch das Narrativ von Bitcoin als destabilisierende Kraft weiter Zulauf. Die jüngste Verfechterin: US-Politikerin Hillary Clinton. Die einstige Präsidentschaftskandidatin der Demokraten sagte am Freitag, dem 19. November, beim Bloomberg New Economy Form in Singapur, dass Kryptowährungen eine potenzielle Gefahr für den US-Dollar darstellen. In ihrem Bedrohungsszenario könnten BTC und Co. gar ganze Staaten in den Abgrund reißen. Regierungen riet sie folglich, diese “wachsende Problematik” genauer in den Blick zu nehmen. Clintons Worte blieben nicht unerwidert, denn die US-Senatorin Cynthia Lummis konterte per Twitter. “Große Anführer fürchten nicht die Zukunft”, schrieb die Republikanerin, die sich bereits im Zuge der Debatte um Joe Bidens Infrastrukturpaket als Krypto-Verfechterin hervortat. Laut Lummis hätte Bitcoin demnach gar das Potenzial, das Fundament des Inflations-geplagten US-Dollar wieder zu verfestigen. Wie genau sie sich dies vorstellt, ließ Lummis in ihrem Tweet allerdings offen.


US-Senator beäugt Stablecoins

Wenn Krypto-skeptische Regulator:innen schlaflose Nächte haben, geht es nicht immer um Bitcoin. Seit Facebooks diesbezüglichen Plänen haben schließlich viele in Stablecoins einen besonders destabilisierenden Faktor erkannt. US-Senator Sherrod Brown wollte der Sache nun auf den Grund gehen. Zum 23. November versandte er deshalb Briefe an die größten Stablecoin-Anbieter und US-amerikanische Krypto-Börsen. Aufgrund von “verschiedenen Bedenken hinsichtlich der Marktintegrität” sind die Empfänger:innen dazu aufgerufen, eine Reihe an Fragen zur Funktionsweise ihres Coins zu beantworten. Tether, das Unternehmen hinter dem größten Stablecoin, zeigte sich auf Twitter kooperationsbereit.

Kanadas Zentralbank: Bitcoin bislang kaum Risiko

Auch nördlich der USA ist das gesamtwirtschaftliche Risikopotenzial von Kryptowährungen ein beliebtes Thema. Mit Paul Beaudry machte der Vize-Direktor der kanadischen Zentralbank am 23. November die Perspektive seiner Institution auf diese Frage publik. Beaudry erklärte beim diesjährigen Ontario Securities Commission Dialogue 2021, dass die aktuelle Entwicklung von Bitcoin und anderen Kryptowährungen nicht in Bahnen verlauft, die daraus einen “systematischen Gefahrentyp” für das Finanzsystem machen würden. Zumindest bis jetzt; denn mit dem erwartbaren Wachstum der Krypto-Branche könnte sich diese Einschätzung ändern. Kanadas Zentralbank behalte das Geschehen am Krypto-Markt deshalb genau im Blick.

Norwegen stört sich am Krypto-Mining

Abseits der Debatte um die Stabilität des Finanzsystems wird die norwegische Regierung von klimapolitischen Fragen umgetrieben. In diesem Zusammenhang nahm sie jüngst auch Krypto-Miner ins Visier. Die Regierung kündigte an, deren Energieverbrauch unter die Lupe zu nehmen. Restriktive Maßnahmen blieben ebenfalls nicht unerwähnt. Interessant an der Sache ist, dass der Mining-Strom in Norwegen eigentlich fast ausschließlich aus erneuerbaren Energien stammt. Das Land setzt im Ganzen zu 90 Prozent auf Wasserkraft. Mit einer zu hohen C02-Emission wäre ein harter Kurs gegen das Bitcoin-Schürfen folglich kaum zu rechtfertigen. Die norwegische Regierung bedient sich stattdessen einem aus Schweden bekanntem Argument. Die erneuerbaren Energien seien demnach für bedeutende Schlüsselindustrien vonnöten, sie stünden nicht im großen Umfang für das Krypto-Mining bereit.