Wir haben mit Anycoin-Gründer Bram Ceelen über das aktuelle Geschehen am Markt, der EU-Krypto-Regulierung sowie Anycoins Geschäftsfokus gesprochen.

BTC-ECHO: Ihr seid kürzlich nach Österreich expandiert und habt dort eine FMA-Lizenz ergattert. Wieso liegt der Fokus auf Österreich?

Bram Ceelen: Wir hatten von Anfang an einen Fokus auf der deutschsprachigen Community. Die Regularien haben sich aber etwas schneller entwickelt als anderswo. Deshalb mussten wir das Deutschlandgeschäft vorübergehend schließen. Wir dachten daher, dass Österreich eine sehr sinnvolle Ergänzung im Wertversprechen von Anycoin sein könnte. Die deutschsprachige Community wird für uns immer wichtig bleiben.

BTC-ECHO: Aktuell können deutsche Kund:innen nicht auf eurer Plattform handeln. Wann wird Anycoin wieder für Deutsche freigegeben?

Bram Ceelen: Das kann ich zum aktuellen Zeitpunkt nicht sagen. Wir arbeiten aber sehr aktiv daran, auch in Deutschland zu launchen. Wir hoffen, dass wir schon bald auch wieder deutsche Kunden auf Anycoin.direct begrüßen dürfen.

“Exchanges können sehr komplex sein – vor allem für Neulinge im Space”

BTC-ECHO: Ihr habt in Europa große Konkurrenz. Mit Kraken oder Coinbase strömen auch US-Börsen auf den deutschen Markt. Auch Bitpanda nimmt einen immer größeren Marktanteil in Europa ein. Wieso sollte ich als Investor auf Anycoin handeln?

Bram Ceelen: Exchanges können sehr komplex sein – vor allem für Neulinge im Space. Wir versuchen, unsere Plattform eher wie einen Webshop zu gestalten. Dort gibt es einen erklärten Step-by-Step-Orderprozess. Wir erklären, welches Wallet der Kunde nutzen sollte oder ob es sinnvoll sein kann, unsere Custody-Lösung, den Anycoin Vault zu nutzen. Außerdem haben wir einen exzellenten Kundenservice, der auch Grundsatzfragen zu Kryptowährungen beantworten kann. 

Anycoin-Gründer Bram Ceelen. Quelle: Anycoin Direct.

BTC-ECHO: Welche Innovationen können wir von euch erwarten? Werdet ihr beispielsweise das Lightning-Netzwerk integrieren?

Bram Ceelen: Wir verfolgen die technischen Entwicklungen im Sektor natürlich eng. Aktuell kann ich aber noch nicht sehr viel zu konkreten Implementierungen sagen. Wir arbeiten beispielsweise an neuen Order-Typen. Aktuelle fokussieren wir uns allerdings auf regulatorische Fortschritte. Beispielsweise streben wir verschiedene Lizenzen an, um in andere Länder zu expandieren. Wir freuen uns, wann immer der Gesetzgeber neue Regulierungen verabschiedet und schalten uns durchaus in den Gesetzgebungsprozess ein. 

“Ich bin da nicht so besorgt, aber natürlich verfolgen wir [die EU-Regulierungen]”

BTC-ECHO: Lass uns das mal vertiefen. In der EU bahnen sich aktuell immer strengere Regulierungen an. Vor allem die Transfer of Funds Regulation (TFR), die möglicherweise ein Verbot von Unhosted Wallets impliziert, liest sich sehr negativ für die europäische Branche. Bist du besorgt über den Stand der Regulierung?

Bram Ceelen: Ich bin da nicht so besorgt, aber natürlich verfolgen wir das. Wichtig für uns ist, das Ziel des Regulators zu verstehen. Bei der TFR-Regulierung liegt das Ziel offensichtlich in der Verhinderung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Das unterstützen wir natürlich zu 100 Prozent. Wir sehen unsere Rolle zudem darin, Input an den Regulator zu geben, damit dieses Ziel auch erreicht werden kann. 

Zu diesem Zweck haben wir etwa ein Wallet-Verifizierungssystem entwickelt, das bereits in den Niederlanden und Österreich genehmigt wurde. Wir denken, dass es selbst mit dem aktuellen TFR-Entwurf noch möglich sein wird, Coins auf die eigene Wallet abzuheben – möglicherweise werden dafür aber mehr Schritte notwendig sein. Das ist aber alles machbar.

“Viele Investoren sehen Bitcoin und Co. vor allem als Anlageobjekt”

Anycoin-Gründer Bram Ceelen. Quelle: Anycoin Direct.

BTC-ECHO: Ihr habt kürzlich die Vault-Funktion implementiert. Darüber können Kunden ihre Bitcoin von euch verwahren lassen. Wie groß ist die Nachfrage nach solchen Custody-Lösungen?

Bram Ceelen: Ja, tatsächlich haben wir eine rege Nachfrage nach solchen Lösungen festgestellt. Das Nutzerprofil ist verglichen mit dem von 2017 schon anders. Damals waren noch viele Investoren an der Technologie interessiert. Die Leute wollten wissen, wie das alles funktioniert. Heute stellen wir fest, dass viele Investoren Bitcoin und Co. vor allem als Anlageobjekt sehen. Die Menschen betreiben nicht mehr so viel Aufwand, ihre BTC selbst zu verwalten. Und da ist die Technologie ja gnadenlos: Mache einen Fehler und deine Coins sind weg. Die Nachfrage, dieses Problem auszulagern, ist seit Jahren steigend. 

BTC-ECHO: Lass uns einen Blick auf das aktuelle Marktumfeld werfen. Bitcoin fällt aktuell ziemlich stark. Wirkt sich das auf das bei euch gehandelte Volumen aus?

Bram Ceelen: Solange es Volatilität gibt, gibt es Trading. Also einen Einbruch im Volumen stellen wir nicht fest. Ich bin persönlich nicht besorgt über den Dip. In der Geschichte von Kryptowährungen gab es so etwas bereits häufiger. Meiner Ansicht nach gibt es langfristig nichts zu befürchten, das ist die normale Achterbahnfahrt. Das gilt aber vor allem für Bitcoin. Wir sehen aber immer mehr Kunden, die sich den Risiken der kleineren Projekte nicht gewahr sind. Wenn du dir beispielsweise die Top-50 aus 2014 anschaust, stellst du große Unterschiede zu heute fest. In zwei Jahren wird die Top-50 wieder anders aussehen. Es wird also immer Währungen geben, die untergehen. Für Bitcoin und Ethereum wird der Kryptofrühling aber wieder ausbrechen – die Frage ist nur, wann. Aktuell spielt auch die hohe Korrelation zu Tech-Werten eine Rolle. Doch diese Korrelation wird eines Tages brechen. 

BTC-ECHO: Vielen Dank für das Gespräch!

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