Post-Pandemie Boom und aktuelle Abkühlung
Nach dem pandemiebedingten Einbruch 2020 erlebte der globale Kunstmarkt einen kräftigen Aufschwung in den Jahren 2021 und 2022. Die Verkäufe von Kunst und Antiquitäten kletterten deutlich und signalisierten eine überraschend schnelle Erholung. 2023 und 2024 zeigte sich jedoch eine Abkühlung, insbesondere im hochpreisigen Segment. So sanken die weltweiten Kunstumsätze im Jahr 2024 um 12 % auf geschätzte 57,5 Milliarden US-Dollar – bereits das zweite Jahr in Folge mit rückläufigen Werten nach einem starken Nach-Corona-Boom.
Ursache war vor allem ein Ausbleiben der Mega-Transaktionen am oberen Ende des Marktes, was das Gesamtvolumen drückte. Trotzdem bleibt die Basis des Marktes breit: Die Anzahl der Transaktionen stieg 2024 sogar um 3 % auf 40,5 Millionen Verkäufe. Dieses Wachstum im mittleren und unteren Preissegment konnte den Rückgang bei Top-Auktionen teilweise ausgleichen.
Ein ähnliches Bild zeigte sich bei den großen Auktionshäusern. Christie’s, Sotheby’s, Phillips und Co. verzeichneten im ersten Halbjahr 2024 zusammengenommen ein Umsatzminus von rund 27 % gegenüber dem Vorjahr. Viele Sammler und Verkäufer hielten sich angesichts wirtschaftlicher Unsicherheiten und geopolitischer Risiken mit dem Verkauf erstklassiger Werke zurück.
Trotz dieser Dämpfer sollte man die Entwicklung in Perspektive sehen: Das aktuelle Umsatzniveau liegt immer noch deutlich über dem von 2020 und unterstreicht die Resilienz des Kunstmarktes. Selbst in schwierigem Umfeld blieb die Sammelleidenschaft ungebrochen – zahlreiche Käufer wichen schlicht auf erschwinglichere Kunstwerke aus, anstatt ganz zu pausieren.
Regionale Verschiebungen und globale Marktanteile
Der Kunstmarkt bleibt geografisch dominiert von den großen drei: Die USA bauten 2024 ihre Führungsposition mit einem Anteil von 43 % am Weltmarkt weiter aus. In den Vereinigten Staaten wurden rund 24,8 Mrd. US-Dollar umgesetzt – trotz 9 % Rückgang gegenüber 2023 immer noch 18 % über dem Niveau des Pandemie-Jahres 2020. Großbritannien rückte mit 18 % Marktanteil auf Rang 2 vor, während China auf 15 % zurückfiel und damit auf Platz 3. Besonders der chinesische Markt erlebte einen Einbruch: Nach einer Erholungsphase 2023 stürzten die Verkäufe in Festlandchina und Hongkong 2024 um 31 % auf nur noch 8,4 Mrd. US-Dollar ab – der niedrigste Wert seit 2009.
Gründe waren das abflauende Wirtschaftswachstum, Probleme im Immobiliensektor und eine generelle Verunsicherung im Land. Europa zeigte ebenfalls leichte Schwächen: Frankreich als viertgrößter Markt sank um 10 % auf 4,2 Mrd. US-Dollar (weiterhin ~7 % Weltanteil). Die gesamten EU-Umsätze lagen 2024 etwa 8 % unter Vorjahr. Lichtblicke gab es in Asien: Südkorea verzeichnete zwar -15 %, doch Japan konnte als einer der wenigen Märkte wachsen (+2 %) und unterstreicht seine aufstrebende Rolle.
Online-Handel und neue Dynamik
Die Digitalisierung des Kunsthandels, die während der Pandemie einen Schub erfuhr, hat sich auf hohem Niveau eingependelt. Online-Verkäufe erreichten 2024 etwa 10,5 Mrd. US-Dollar und machten damit 18 % des Gesamtmarktes aus. Dieser E-Commerce-Anteil lag zwar unter dem Pandemie-Peak von 25 % in 2020, aber immer noch doppelt so hoch wie vor Covid. Die Käufer nutzen verstärkt multiple Kanäle: Galerien und Händler berichten, dass Sammler Kunstwerke zunehmend per Website, E-Mail oder sogar über soziale Medien wie Instagram erwerben, ohne sie vorab physisch zu sehen. Die Schwelle, Kunst online zu kaufen, ist damit deutlich gesunken – Transparenz bei Preisen und einfache digitale Kaufprozesse werden zum Standard.
Auch neue Technologien wie NFTs haben den Kunstmarkt beeinflusst. Der Hype um Krypto-Kunst erreichte 2021 seinen Höhepunkt, kühlte aber seitdem erheblich ab. 2024 ist der NFT-Markt weiter eingebrochen: Der Wert der gehandelten Art-NFTs sank um 65 % gegenüber dem Vorjahr. Trotz dieser Korrektur hat die NFT-Welle bleibende Spuren hinterlassen – sie hat vielen jungen Käufern und Künstlern den Zugang zum Kunstmarkt eröffnet und Themen wie digitale Kunst und Echtheitszertifikate via Blockchain dauerhaft etabliert. Insgesamt zeigt sich der Markt heute zweigeteilt: Während die oberste Spitze etwas an Dampf verloren hat, wächst eine breitere, digital affine Käuferschicht heran, die für langfristige Stabilität sorgen könnte.
Kunst als stabile Anlageklasse?
Angesichts schwankender Finanzmärkte rückt Kunst als alternative Anlage in den Fokus. Tatsächlich erwies sich hochwertige Kunst in letzter Zeit als bemerkenswert wertbeständig. Laut dem Knight Frank Luxury Investment Index legten Kunstwerke im Jahr 2023 durchschnittlich um 11 % an Wert zu und waren damit die performancestärkste Kategorie unter den Sachwert-Investments. Kunst schlug damit andere „Passion Investments“ wie Whisky, Oldtimer oder Uhren, deren Preise teils nachgaben. Dabei stammt ein Großteil der Wertzuwächse aus der ersten Jahreshälfte 2023; im späteren Jahresverlauf flachte die Kurve ab. Dennoch unterstreicht die Bilanz: Kunst kann unter bestimmten Umständen attraktive Renditen bieten. Über längere Zeiträume betrachtet liegt die jährliche Wertsteigerung hochwertiger Kunst bei geschätzt rund 7–8 % und hat damit sogar breite Aktienindizes geschlagen.
Allerdings sollte man diese Zahlen mit Vorsicht genießen. Kunst ist keine Einbahnstraße: Trends wechseln, der Markt ist weniger liquide als etwa Börsen, und nicht jedes Kunstwerk erzielt automatisch Höchstpreise. Inflation und Unsicherheiten beeinflussen auch die Kunstkäufer – in Zeiten hoher Teuerung achten Sammler vermehrt auf Wertstabilität und „Value for Money“. Das zeigte sich 2024, als viele statt teurer Prestigeobjekte lieber erschwinglichere Werke kauften. Positiv zu vermerken ist, dass die Sammelleidenschaft trotz aller Widrigkeiten anhält. Laut einer aktuellen Umfrage unter weltweit 3600 vermögenden Kunstkäufern blicken 91 % der Befragten optimistisch auf die Zukunft des Kunstmarktes. Diese Zuversicht der Kern-Klientel sowie die wachsende Diversität der Käuferschaft bilden ein stabiles Fundament für die kommenden Jahre.
Mit neuen Investmentmodellen können heute sogar Privatanleger an dieser Entwicklung partizipieren. Plattformen wie Arttrade ermöglichen über digitale Wertpapiere eine Beteiligung an kuratierten Kunstportfolios – ein Zugang zum Kunstmarkt, der früher institutionellen Investoren vorbehalten war. Damit öffnet sich der Kunstmarkt im Wandel nicht nur stilistisch und geografisch, sondern auch für eine breitere Anlegerschaft.
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