Kunstmarkt-Trends: Vielfalt bei Künstlern und Werken nimmt zu
Der Kunstmarkt erlebt einen spannenden Wandel in der Nachfrage: Sammler investieren verstärkt in neue Künstler und vielfältigere Werke. Laut einer globalen Erhebung unter vermögenden Kunstkäufern floss über die Hälfte des Budgets 2023/24 in Arbeiten von neuen und aufstrebenden Künstlern – ein deutlicher Anstieg gegenüber 44 % in der vorherigen Erhebung. Im Gegenzug sank der Anteil, der für etablierte Top-Stars ausgegeben wurde. Dieses Umdenken zeigt, dass viele Sammler aktiv die Stars von morgen unterstützen und nach frischen Positionen suchen.
Auch Künstlerinnen gewinnen an Marktanteil: Der Anteil von Werken weiblicher Künstler in HNW-Sammlungen stieg auf 44 % – so hoch wie noch nie zuvor im letzten Jahrzehnt. Zum Vergleich: 2018 lag dieser Wert erst bei 33 %. Interessanterweise geben besonders die wohlhabendsten Sammler einen größeren Teil ihres Budgets für Künstlerinnen aus.
Nicht nur beim Wer und von wem, sondern auch beim Was diversifiziert sich der Kunstmarkt. Gemälde bleiben zwar König, doch andere Medien holen auf. Arbeiten auf Papier und Druckgrafiken erleben wachsende Beliebtheit, da sie oft preislich zugänglicher sind. Über die Hälfte der befragten Sammler erwarb 2023 ein Werk auf Papier – ein deutlicher Sprung von nur 33 % im Jahr davor. Auch Editionen und Prints legten zu (35 % der Käufer griffen 2023 zu Druckauflagen).
Diese Entwicklung hin zu erschwinglicheren Formaten verbreitert den Markt und sorgt für Stabilität im unteren Preissegment. Insgesamt wird Kunst also vielfältiger – in den Techniken, den vertretenen Künstlergruppen und den Preisklassen. Das steigert einerseits die Inklusivität der Kunstwelt und dient andererseits als Puffer gegen spekulative Blasen im Top-Segment, da die Nachfrage breiter verteilt ist.
Neue Käuferschichten und Generationen
Einer von oft beschworenen Kunstmarkt-Trends ist der Generationswechsel unter Kunstkäufern. Die Daten zeichnen hier ein gemischtes Bild. Gen X (ca. 42–58 Jahre) ist aktuell die treibende Kraft im Markt und gab 2023 im Durchschnitt am meisten für Kunst aus (rund 578.000 USD jährlich, +3 % ggü. Vorjahr). Überraschend dagegen: Millennials (bis ca. 40 Jahre) reduzierten ihre Ausgaben im Schnitt deutlich – ihr durchschnittliches Kunstbudget halbierte sich 2023 auf etwa 395.000 USD.
Die Annahme, dass die junge Sammlergeneration die ältere bereits überholt, hat sich also nicht bestätigt. Viele Ultra-High-Net-Worth-Individuen moderierten 2023 ihre Kunstkäufe; die mittleren Ausgaben blieben aber stabil. Statt der oft beschworenen Disruption sehen wir eher einen fließenden Übergang: Jüngere Käufer treten zwar engagiert auf, aber die erfahrene Gen X dominiert weiterhin die größten Transaktionen.
Auffällig ist jedoch, wie die jüngere Generation Kunst kauft. Sie ist deutlich digitalaffiner und bezeichnet sich häufiger selbst als „Collector“. Rund 82 % der unter 37-Jährigen haben schon einmal Kunst online gekauft. Diese „Digital Natives“ nutzen Online-Marktplätze und soziale Medien intensiv zur Kunstentdeckung. Ältere Sammler setzen dagegen noch stärker auf klassische Kanäle wie Galerien. Trotzdem gilt generationenübergreifend: Die Galerie bleibt zentraler Anlaufpunkt. Die meisten Kunstkäufer gaben an, ihre ersten Werke bei Galerien erworben und dort überhaupt erst den Zugang zum Sammeln gefunden zu haben.
Auch im Jahr 2023 war der Händler bzw. die Galerie mit 95 % der meistgenutzte Vertriebsweg für HNW-Sammler. Allerdings erfolgen die Interaktionen heute multikanal: Drei von vier vermögenden Käufern haben Galerieankäufe getätigt, ohne das Werk vorher physisch zu sehen, sei es über die Galerie-Website, Online-Viewing-Rooms oder per E-Mail. Rund 43 % kauften sogar Kunst über Instagram von Galerien. Das heißt, traditionelle und digitale Kanäle verschmelzen.
Die Generationen ticken in manchem unterschiedlich (Stichwort: Online-Affinität), doch am Ende teilen sie die Leidenschaft fürs Sammeln. Die Sammelkultur ist kerngesund, nur die Spielregeln und Gewohnheiten erweitern sich.
Digitalisierung des Kunsthandels als Kunstmarkt-Trend
Die Covid-Pandemie hat den Kunstmarkt digital transformiert. Online-Sales sind seither fester Bestandteil und machen etwa 18 % des Umsatzes aus. Nachdem 2020/21 zwangsläufig vieles ins Netz wanderte, hat sich nun ein Hybridmodell etabliert: Physische Messen, Auktionen und Galeriebesuche kehren zurück, aber ergänzt durch digitale Convenience. Sammler schätzen die Möglichkeit, Kunstwerke online zu sichten und sogar zu kaufen – sei es über Auktionsplattformen, Händler-Websites oder Social Media. Die größte Hürde im Netz war lange die Intransparenz der Preise.
Laut einer Umfrage empfinden 99 % der Online-Käufer Preisschild-Angaben als wichtig; wenn keine Preise sichtbar sind, schreckt das viele ab. Galerien und Plattformen reagieren darauf mit Click-to-Price-Funktionen und klarer Auszeichnung. Dieser Kunstmarkt-Trend zur Transparenz demokratisiert den Zugang zum Kunstmarkt erheblich.
Auf der anderen Seite hat die Digitalisierung auch spekulative Exzesse hervorgebracht – allen voran die NFT-Boomphase 2021. Digitale Zertifikate für Kunst und Sammlerstücke schossen in astronomische Höhen (Beeples NFT-Kunstwerk erzielte $69 Mio. bei Christie’s). Doch der Hype flaute schnell ab: Bis Ende 2024 ist der gesamte NFT-Markt über alle Sparten hinweg nahezu implodiert. Für Krypto-Kunst (Art-NFTs) bedeutete 2024 ein Minus von rund 65 % im Verkaufswert gegenüber Vorjahr, die Zahl der Transaktionen brach um fast 70 % ein. Viele Marktplätze mussten schließen.
Was bleibt von der NFT-Ära? Zum einen eine neue Käufergruppe junger, technikaffiner „Crypto Collectors“, die sich nun teilweise dem traditionellen Kunstmarkt zuwenden. Zum anderen wertvolle Infrastruktur: Blockchain-Technologie könnte langfristig helfen, Provenienz fälschungssicher zu dokumentieren. Und nicht zuletzt hat die Diskussion um digitale Kunst den Fokus darauf gelenkt, wie wir digitale Werke dauerhaft speichern und bewahren. Der NFT-Trend hat der Branche also Lernkurven beschert, die über den kurzfristigen Hype hinaus nützen.
Globale Ausblicke und nachhaltige Kunstmarkt-Trends
Trotz mancher Verwerfungen stehen die Zeichen für den Kunstmarkt insgesamt positiv. Die Globalisierung schreitet voran, auch wenn westliche Märkte dominieren. In China, dem einstigen Wachstumstreiber, gibt es zwar aktuell Gegenwind, doch andere Regionen wie Südostasien oder der Nahe Osten gewinnen an Bedeutung durch neue Sammler und Messen. Kunstmessen überhaupt sind wieder gut besucht – 62 % der aktiven Sammler nahmen 2023 an mindestens einer Messe teil. Sie schätzen Messen vor allem, um neue Künstler zu entdecken und eine große Bandbreite an Werken auf einmal zu sehen. Dieser kuratorische Überblick bleibt ein Asset, das digitale Formate nicht ersetzen können.
Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung sind ebenfalls Kunstmarkt-Trends, die in der Kunstwelt ankommen. Immer mehr Akteure achten auf umweltfreundliche Messekonzepte (Stichwort CO₂-Kompensation für Kunsttransporte) und Diversity in Ausstellungen. Sammler der jungen Generation legen vermehrt Wert darauf, dass ihre Investments auch ideelle Werte widerspiegeln. Kunst kann hier punkten: Wer in kulturelles Erbe investiert, trägt zum Erhalt von Kunst und zur Förderung von Künstlern bei – eine Rendite, die über das Monetäre hinausgeht.
In Summe zeigen die aktuellen Kunstmarkt-Trends: Der Kunstmarkt passt sich neuen Realitäten an, ohne seinen Kern zu verlieren. Die Branche wird digitaler, vielfältiger und breiter aufgestellt in der Käuferschaft, bleibt aber zugleich ein von Leidenschaft und persönlichen Beziehungen geprägtes Feld. Kunst als Gut ist nach wie vor begehrt – ob als Statussymbol, Investment oder aus Liebe zur Kultur. Die nächsten Jahre dürften spannend bleiben, denn die einzigen Konstanten im Kunstmarkt sind Wandel und Innovation. Für Sammler und Anleger heißt es, am Puls der Zeit zu bleiben, um die Chancen zu nutzen, die sich aus diesen Trends ergeben.
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